Ein gewaltiges Unternehmen und ein geniales Buch: Prunk, Luxus und Dekadenz in den kleinen Provinzstädten am Fuße des Vesuv zu Zeiten der römischen Antike in einer umfassenden Ausstellung, deren Katalog in einem wertvollen, geradezu 'luxuriösen' Buch aufging. So macht Geschichte einfach riesigen Spaß!
Ein Jahr Vorbereitung brauchte man für das Mammut- Unternehmen, das auf gut zweihundert Jahre Geschichte zurückblickt, jene Jahre, die vor dem verheerenden Vulkanausbruch 79 n.Chr. lagen. Auf viele Ausstellungsstücke wird man noch eine ganze Weile im Archäologischen Nationalmuseum Neapel verzichten müssen, schließlich sind Stationen in Deutschland, Holland und sogar Japan geplant. 15 Aufsätze von Wissenschaftlern und Experten, eine detaillierte Darstellung und ausführliche Erläuterung der Exponate machen das lebendig illustrierte Buch zu einem Themenbuch mit anregend vielschichtigen Perspektiven.
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Faszinierend dabei sind gleich mehrere Aspekte: da wird aus einer "Schatztruhe für tausende von Funden" ein plastisches und umfassendes Bild der alten römischen Gesellschaft nachgezeichnet; spannend wie ein Krimi, was aus Fundstücken herauslesbar ist, atemberaubend, wie Geschichte auflebt durch das Zusammenfügen von Fakten und Funden, ein einzigartiges historisches Mosaik. Da ist aber auch noch etwas anderes: eine kontroverse, lebhafte und neu entfachte Diskussion rund um den Begriff Luxus. "Luxus ist ein sehr relativer Begriff. Eisgekühlte Getränke waren bei den Römern der nur unter größten finanziellen Aufwendungen erreichte Gipfel üppig- verschwenderischer Lebensführung, in unseren Zeiten dagegen sind sie ein zivilisatorischer Standard, der auch von den Trägern der Sozialhilfe garantiert werden muss." Auswüchse, so einer der Autoren, gab es schon, "wenn jemand sein Schlafzimmer so anlegen ließ dass er aus dem Bett heraus im Meer angeln konnte...dann entsprang das snobistischen Attitüden, die auf eine gewisse Morbidität schließen lassen."
Die Aufsätze lesen sich wie Abenteuerberichte, beleuchten unterschiedliche Seiten von Verschwendungssucht und Üppigkeit, ob für den Wohnraum, die Bewirtung von Gästen, Kleidung, den Konkurrenzkampf um die "prächtigste Villa" oder die prunkvollste Bestattung, Kunstsammlungen oder sonstige Statussymbole. Und die Namenslisten der Villenbesitzer am Golf von Neapel war erlesen: Cicero, Pompejus, Lucullus, die Kaiser Tiberius und Nero sowie viele andere. Alten Lateinern schlägt da das Herz höher und nicht nur denen!
Aßkamp, Rudolf / Christiansen, Jörn / Kenzler, Herwig / Wamser, Ludwig (Hgg.) Luxus und Dekadenz Römisches Leben am Golf von Neapel
Verlag Philipp von Zabern
287 Seiten, 29,90 Euro
ISBN: 9783805337427
50.000 Sesterzen für einen Abend Bankett und UnterhaltungGebauter Luxus. Villen am Golf von NeapelSpiegelbild des luxuriösen Lebens. Die pompejianischen WandmalereienInszenierte Idylle. Parks und GärtenLuxus Wasser. Privatbäder in den VesuvstädtenLuxus und Dekadenz sind Begriffe, die man sofort mit gehobener römischer Lebensart in Zusammenhang bringt. Die sprichwörtlichen Exzesse in der römischen Antike haben die Phantasie der Menschen bis in die heutige Zeit angeregt. Schwelgerei, Prunkliebe und Vergnügungssucht der römischen Oberschicht lassen sich nirgends eindrucksvoller zeigen als in den verschütteten Städten und Villen am Golf von Neapel. Prunkvolle Landsitze, aufwändige Gastmähler, kostbare Kunstschätze und ein Heer von Sklaven ermöglichten den wohlhabenden Römern eine üppige Lebensführung und die demonstrative Zurschaustellung des eigenen Reichtums.Der Begleitband zur Ausstellung entwirft ein facettenreiches Bild des luxuriösen Lebens der Römer am Golf von Neapel zwischen Prunksucht und Dekadenz.Ausstellungsdaten:Juli 2007 bis November 2007 LWL-Römermuseum in Haltern am See Dezember 2007 bis Mai 2008 Focke-Museum Bremen Juli 2008 bis Februar 2009 Archäologische Staatssammlung München www.luxus-ausstellung.de