Spione sind auch nur Menschen In Berndorfs neuem BND-Thriller menschelt, knistert und knallt es.
Wenn Nordkoreas Diktator Kim Jong Il seine angeblich getesteten Kernwaffen an unberechenbare Terroristen oder skrupellose Unternehmer verkaufte, um das bitterarme Land vor der längst prognostizierten Hungerkatastrophe zu retten, wäre das mehr als besorgniserregend. Nicht ohne Grund hat die USA dem Alleinherrscher im letzten Herbst angeboten, ihn von der Liste der Schurkenstaaten zu streichen, wenn er sein Atomprogramm sofort beendete. Obgleich die ersten Reaktoren runtergefahren wurden, steht Nordkorea noch immer in Amerikas Visier. Es gibt also noch längst keinen Grund zu Entwarnung. Dafür genügend Gründe diesen weltpolitisch dramatischen Zustand in einem Polit-Thriller zu verpacken.
Jacques Berndorf hat sich diesen hochaktuellen Stoff nicht nehmen lassen und in seinem neuesten Roman „Bruderdienst“ die potenziellen Schachzüge der Nordkoreaner und der Amerikaner durchgespielt. Dass am Ende der nukleare Super-GAU verhindert werden kann, liegt in der Natur des Genres. Doch wer seine Hoffnungen fahren oder sein Leben lassen muss, bleibt auch in diesem Thriller die eigentlich spannende Frage. Berndorf geht es aber nicht nur um die heldenhafte und atemberaubende Jagd nach der heimlich verkauften Atombombe. Nein, er wirft auch einen sanften Blick auf das Privatleben seiner beruflich so angespannten Akteure.
So beobachten wir, wie sich ein geschiedener Spion nach seiner achtjährigen Tochter sehnt, wie ein Agent den Tod seiner Mutter verkraftet oder wie der BND-Chef um seine krebskranke Gattin bangt. Dass Agenten ein problematisches Privatleben haben, kann angesichts ihrer ungewöhnlichen Dienste und ihrer Pflicht zur Verschwiegenheit kaum verwundern. Jacques Berndorf lässt es in seinem Politthriller um den sensiblen BND-Agenten Karl Müller also kräftig menscheln.
Anzeige
Die Spannung kommt trotz der zuweilen etwas sentimental aufgetragenen Familien- und naiven Liebesgeschichten nicht zu kurz. Zumal der ehemalige Stern- und Spiegel-Journalist mit den Details des nordkoreanischen Atomprogramms und den innenpolitischen Verhältnissen der südostasiatischen Staaten ebenso gut vertraut zu sein scheint wie mit der Arbeitsweise des deutschen, amerikanischen und israelischen Geheimdienstes. Ob der CIA allerdings den BND wirklich ins Vertrauen ziehen würde, wenn das Gerücht vom Verkauf einer Atombombe aufkäme, bleibt fraglich. Ebenso fraglich wie Nordkoreas Verhalten nach dem Atombombendeal. Denn das ein Dritte Welt-Staat wie Nordkorea plötzlich Mercedes-Limousinen im Wert von 21 Millionen Euro bestellt, wirkt nicht nur höchst verdächtig, sondern auch höchst naiv.
Nichtsdestotrotz trägt die erzählerische Dramaturgie auch diese zweifelhaften Handlungsmomente und die etwas grobschlächtig dargestellten CIA-Agenten. Berndorf fehlt zu einem Eric Ambler, John Le Carré oder Joseph Conrad das feine Gespür für die Psychologie und Komplexität seiner Figuren und deren Motivlagen. Dem in der Eifel lebenden Autor und seinen Figuren haftet immer etwas Bodenständiges an, was sie zwar sympathisch, aber nicht immer glaubwürdig erscheinen lässt. In Deutschland ist er jedoch der einzige, der die Arbeit des deutschen Geheimdienstes überhaupt ins Visier nimmt und in spannende Plots zu verpacken weiß. Auch wenn das Atmosphärische dabei etwas provinziell wirkt, hat Berndorf mit seinen BND-Thriller der deutschen Kriminalliteratur einen wirklichen und keinen vermeintlichen „Bruderdienst erwiesen.
Der BND hat Jacques Berndorf, dem sensationell erfolgreichen Autor der Eifel-Krimis, als erstem Außenstehenden seine Tore zu Recherchezwecken geöffnet. Jetzt legt Berndorf seinen zweiten Thriller um BND-Agent Karl Müller vor. In der Welt der Geheimdienste und Sicherheitsexperten kursieren Gerüchte, dass Nordkorea eine Atombombe verkauft hat. Die Hintergründe des Geschäfts liegen völlig im Dunklen. Klar ist nur: Die Folgen für die Welt könnten verheerend sein.
Die westlichen Geheimdienste befinden sich in höchster Alarmbereitschaft. Der völlig verarmte nordkoreanische Staat hat 300 Mercedeslimousinen der S-Klasse bestellt. Die Hinweise mehren sich, dass das Land einen lukrativen, aber folgenschweren Deal ausgehandelt und eine Atombombe verkauft hat. Als Müller, der beste Mann des BND, nach Seoul geschickt wird, ist nur so viel bekannt: Auf ein Hilfeersuchen des amerikanischen Bruderdienstes hin soll er einen Mann aus Nordkorea herausholen. In dem festen Glauben, dass in dieser Situation alle westlichen Geheimdienste an einem Strang ziehen, macht sich Müller auf den Weg. Und tatsächlich gelingt es ihm, den liebenswürdigen Nordkoreaner Kim aus dem Gelben Meer zu fischen. Doch kaum haben die beiden Männer Seoul erreicht, stehen sie auch schon gnadenlos unter Beschuss. Müller weiß, dass er mit Kim die vielleicht einzige zuverlässige Quelle in Sachen Atombombe in seiner Hand hat - aber mit diesem Wissen ist er ganz offensichtlich nicht allein.