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Maria Barbal im Interview PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Tobias Fauth, am 15-02-2008 11:00
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Maria BarbalMaria Barbal ist eine der erfolgreichsten katalanischen Autoren der Gegenwart, gehörte zu den Stars der Frankfurter Buchmesse 2007 und hat mit ihrem Erstlingswerk „Wie ein Stein im Geröll“, das in Katalonien längst ein Klassiker ist, erfolgreich den Schritt auf den deutschen Markt gemeistert. Bereits im Herbst dieses Jahres soll die Übersetzung ihres neuesten Werkes erscheinen. Im Interview mit literature.de spricht sie über sich, ihre Werke, die katalanische Literatur und ihre Erlebnisse in Deutschland.

Im Oktober 2007 fand die Frankfurter Buchmesse statt. Wie lautet Ihr Fazit? War es ein Erfolg für die katalanische Literatur und Kultur?

Es war eine großartige Gelegenheit, die Literatur und Kultur Kataloniens zu präsentieren, die man für gewöhnlich nicht von der Spaniens unterscheidet, sondern ihr zuzählt. Man wird es als Erfolg bezeichnen können, sollte es eine Kontinuität der Beziehungen zu anderen Literaturen, der Übersetzungen katalanischer Bücher und des Interesses an der Vielfalt der katalanischen Kultur – Musik, Theater, Traditionen, Architektur, Design etc. – geben.

Vor allem in der deutschen Presse gab es immer wieder Kritik, da die katalanischen Autoren, die sich dafür entschieden haben, ihre Bücher auf Spanisch zu schreiben, nicht gekommen sind. Wie reagierten die katalanischen Autoren darauf?

Die katalanischen Autoren waren vom Wunsch getragen, die Geschichte einer Kultur, die vielen Jahren des Verbots, des Schweigens und der Schutzlosigkeit standgehalten hat, in wenigen Worten zu erklären.

Carme Arenas (Professorin für katalanische Kultur an der Universitat de Barcelona) hielt vor kurzem einen Vortrag über die Chancen und Probleme der katalanischen Literatur in einer globalisierten Welt. Welches sind diese Ihrer Meinung nach?

In einer globalisierten Welt sind die Grenzen porös und die Öffnung gegenüber den kleineren Kulturen wird immer größer. Ich denke, der Beitrag, den eine Literatur wie die katalanische leistet, kann auch mächtige, unumstrittene und einflussreiche Kulturen wie die deutsche interessieren.

Ihr erstes Buch „Wie ein Stein im Geröll“ ist vor über 20 Jahren und in bereits über 50 Auflagen erschienen. Erst letztes Jahr jedoch auch in Deutschland. Sind Sie überrascht, dass es so lange gedauert hat?

Ja, da ich der Meinung bin, dass es sich um ein Buch handelt, das für Menschen verschiedenster Herkunft verständlich ist.Nein, da ich verstehe, dass die Bezeichnung „Katalanische Literatur“ nach wie vor ungewöhnlich erscheint.

Sie haben „Wie ein Stein im Geröll“ bei mehreren Lesungen in Deutschland vorgestellt. Wie war die Begegnung mit Ihren deutschen Fans? Gab es besondere oder unerwartete Momente?

Es war eine der schönsten Erfahrungen in meiner bisherigen Laufbahn als Schriftstellerin. Ich fand es beeindruckend, dass sich Leute so unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Erfahrungen so intensiv austauschen konnten.

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Mussten Sie Ihr Buch nach all diesen Jahren erst nochmals selbst lesen, um alle Fragen zu beantworten?

Nein.

Können Sie kurz erzählen, worum es in „Wie ein Stein im Geröll“ geht?

Es handelt von einem jungen Mädchen, die das Glück der Liebe und den Schmerz des Krieges kennen lernt, und die fähig ist, standzuhalten, indem sie ihren Gleichmut und ihre Würde bis zum Ende beibehält.

Stimmt es, dass Ihre Großmutter als Vorlage für die Figur der Conxa diente?

Das Leben meiner Großmutter mütterlicherseits inspirierte die Handlung des Romans in seinen wesentlichen Momenten.

Das Leben auf dem Land ist beschwerlich, geprägt von jeder Menge schwerer Arbeit. Wie lässt sich Conxas Angst vor den Veränderungen erklären, die die Zweite Republik mit sich bringt und von denen auch sie profitiert?

Ich denke, es handelt sich um eine Furcht von Menschen mit einer praktischen Mentalität, die die Sicherheit des Lebens so, wie sie es kennen, bevorzugen, obwohl es verbesserungsfähig wäre.

Maria Barbal auf der Frankfurter Buchmesse 2007Im Buch heißt es, dass die Männer nicht in die Kirche gehen. Wieso?

Diese Männer reden sich durch die Wichtigkeit ihrer patriarchalischen Rolle heraus, um dieser Vorschrift nicht nachkommen zu müssen.

In diesem Jahr wird ihr bisher neuestes Buch „Inneres Land“ in Deutschland erscheinen. Erneut wird Heike Nottebaum als Übersetzerin fungieren, die schon bei „Wie ein Stein im Geröll“ hervorragende Arbeit geleistet hat. Wie wichtig ist ihnen der Kontakt zu und die Zusammenarbeit mit ihren Übersetzern?

Die Beziehung zu meinen Übersetzern ist für mich grundlegend. Ich finde, zu übersetzen ist eine außergewöhnliche Tätigkeit. Diese setzt nicht nur die tief greifende Kenntnis zweier Sprachen voraus, sondern beinhaltet auch, zwei niemals identische Kulturen zu verstehen, um bestimmte Äquivalenzen zu finden, die dem Leser das Verstehen ermöglichen. Außerdem erfordert es, wie ich meine, eine große Sensibilität.

Wovon handelt „Inneres Land“?

„Inneres Land“ ist ein komplexes Liebesverhältnis. Der Liebe zwischen Tochter und Mutter stellen sich die Charaktere der beiden Figuren entgegen, sowie ein schmerzliches Erbe, das angenommen werden muss.

Ist es eine Art Fortsetzung zu „Wie ein Stein im Geröll“?

Es ist nicht die Fortsetzung, weist jedoch eine Verbindung auf, die der aufmerksame Leser sofort wahrnimmt.

Inwiefern spiegelt sich in dieser Mutter-Tochter-Beziehung die zu Ihrer eigenen Mutter wieder?

Es gibt Momente in diesem Roman, die auf meiner persönlichen Erfahrung basieren.

Sie sind Lehrerin. Bleibt da überhaupt noch genügend Zeit für die Familie, für das Schreiben und auch für Sie selbst?

Ich habe mit der Arbeit als Lehrerin aufgehört. So habe ich mehr Zeit, um nachzudenken, zu lesen und zu schreiben. Dem Schreiben widme ich mich etwa zwei bis vier Stunden täglich.

Was liest Maria Barbal privat?Haben sie ein bevorzugtes Genre, einen Lieblingsautoren oder ein Lieblingsbuch?

Ich lese von allem, habe verschiedene Interessen. Biografien, Poesie, Prosa, Essays, Theater. Es gibt viele interessante Autoren: Virginia Woolf, Federico García Lorca, Thomas Mann, Mercè Rodoreda, Elias Canetti, Stefan Zweig.

Schreiben Sie bereits an einem neuen Buch? Falls ja, könnten Sie kurz schildern, worum es geht und wann es erscheinen wird?

Ich bin gerade in den Endzügen eines Romans, der auf einer wahren Begebenheit basiert, die vor ein paar Jahren in Barcelona passiert ist, die jedoch auch an jedem anderen Ort hätte geschehen können. Ich setze mich mit Licht und Schatten des Alltags auseinander, schreibe über eine Figur, die dem realen Leben entnommen ist und rette sie damit aus der Vergessenheit.

 

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Letztes Update: 15-02-2008 11:41

Veröffentlicht in : Magazin, Specials
Schlüsselworte : barbal, barcelona, katalonien
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