Norbert Loh, Autor des schön aufgemachten Märchenbuches „Die Märchen der Königskinder“ bewegt sich seit mehr als 30 Jahren zwischen Majestäten, Thronfolgern, Prinzen und Prinzessinnen. Als DER Experte für Etikette und Edelleute, beschäftigt er sich mit dem Hochadel und spricht zudem noch fließend die skandinavischen Sprachen.
Er bekleidet den exqusiten Beruf des Hofberichterstatters und ist damit dem Hof verpflichtet. Anders als der Literaturrezensent, dessen Ethos es verbietet, ihm nahestehenden Personen oder Institutionen Gefälligkeiten zu erweisen, ist es Loh Gebot und Verpflichtung, nur Gutes über die Herrschafthäuser verlauten zu lassen – und das spiegelt sein Märchenbuch wider, dem der Verlag eine aufwändig erscheinende Aufmachung spendiert hat. Mit Sonja Bernadotte verfasste eine leibhaftige Gräfin das Vorwort, in dem sie sich dem Autor gegenüber als ebenso willfährig erweist wie er es anschließend den Königshäusern tut.
Der Inhalt ist schnell wiedergegeben: Die Monarchien dieser Welt, die er der Yellowpress vorstellt, werden jeweils in einem von Klischees triefenden Stimmungsbild so vorgestellt, wie die Klientel des Autors es erwartet: An einem „der schönen warmen Sommertage“, wenn „die aufgehende Sonne den japanischen Kaiserpalast […] in rotgoldenes Licht“ taucht „umspielt ein zärtliches Lächeln ihre Lippen..." Diese Sprachstereotype lassen diese Geschichten über die Märchenerziehung von Prinzen und Prinzessinnen an den Höfen selbst zum Märchen werden, und das Leid, das wie im Märchen natürlich auch in diesen Familien nicht vor den Palasttoren Halt macht, klingt genauso märchenhaft: Der weiße Ritter erscheint, macht dem Graus ein Ende – ganz wie im richtigen Leben, nein Märchen, auch: Am Ende steht dem Glück nichts mehr im Wege.
Anzeige Wer aber auch diesen Blicken durch die Schlüssellöcher des Hochadels etwas Kritisches abgewinnen will, vermag es zu tun, denn dann fällt dem Leser zum Beispiel die gnadenlose Etikette des japanischen Hofzeremoniells auf, die den Leser noch grausamer dünkt als die spanische am Hof Philipp II. vor fast 500 Jahren.
Letzlich muss natürlich noch ewähnt werden, dass in dem Buch auch Märchen stehen, viele uns von den Brüdern Grimm, Hans-Christian Andersen bekannt, aber auch exotische, die uns andere Kulturen über das Märchen, deren Lehren einem kollektiven Gedächtnis der Menschheit zu entspringen scheinen, besser näher bringen, als es eine Schulfunksendung vermag.
Dieses Märchenbuch eignet sich für alle Familien, die nicht nur daran interessiert sind, ihren Kindern über das Genre "Märchen" die Werte und Normen der Menschheit näherzubringen, sondern ihnen und sich darüberhinaus auch einen affirmativen Einblick in die Welt der letzten großen Monarchien verschaffen wollen.