Historische Romane haben Konjunktur. Das haben sich sicherlich auch die beiden kanadischen Autorinnen Gina Buonaguro und Janice Kirk gesagt. Und weil sie zu zweit schreiben, haben sie ihren Roman zum einen in der Gegenwart, aber auch in der Vergangenheit angesiedelt. Das ist auf den ersten Blick keine schlechte Idee, das sorgt für einen gewissen „drive“ in der Erzählung, für gelegentlichen Szenenwechsel.
Die Geschichte dreht sich zunächst einmal um Tulia Rose, eine junge Frau, die einmal ein Buch veröffentlicht hat, das allerdings der Vergessenheit anheim fiel und das nicht ganz ohne Grund. Gleichwohl hat sie den dringenden Wunsch, weiter zu schreiben und ihr erfolgreicher Lebenspartner Ethan wartet offensichtlich auch nur auf einen Bestseller. Um sie zu motivieren, oder vielleicht auch los zu werden, schenkt er ihr auf einem Höhepunkt der Beziehungskrise eine Europareise. Unschlüssig über ihre eigentlichen Ziele und Vorhaben reist sie nach Paris. In dieser Stadt kann es gar nicht anders sein, als dass sich da die Liebe einschleicht.
Fasziniert von dem Bild eines ungewöhnlichen Straßenmalers nähert sie sich diesem Mann und Dank seiner Hilfe dem Maler Raffaello Sanzi, der in ihrem bisherigen Bildungskanon noch nicht aufgetaucht war.
Anzeige Der ungewöhnliche und attraktive Straßenmaler versteht es nicht nur, die Bilder Raffaellos mit Kreide auf das Pflaster zu bannen, er weiß vor allem, das Interesse der jungen Amerikanerin für den großen Maler der Renaissance zu wecken. Auch er kommt dabei nicht schlecht weg. Und da der Straßenmaler auch Gaben hat, die vermuten lassen, er habe einen sehr direkten Draht zum 1520 in Rom verstorbenen Maestro, weil er Zauberkünste beherrscht und auf dem Geländer des Eifelturms balancieren kann, ist es nicht weit bis zu dem Moment, wo es um Tulia geschehen ist und sie sich verliebt.
Mit dem neuen Hochgefühl für den Maler und dank vieler neuer Eindrücke schafft sie es, sich von ihrem eigentlichen Partner zu entfernen. Der hat sich ohnehin längst mit ihrer besten Freundin getröstet. Tulia Rose beginnt, sich für Raffaello Sanzi zu interessieren, besucht seine Geburtsstadt Urbino, reist nach Rom, wo eine Fülle seiner Meisterwerke zu bewundern sind, und sie weiß längst, dass sie ihr nächstes Buch einer Spurensuche nach dem genialen Maler widmen wird und dabei darf eine Liebesgeschichte nicht fehlen.
Irgendwann hat sich die Buchidee mit dem Szenenwechsel aus dem Alltag und dem Eintauchen in die Lebenswelt von Raffaelo im 16. Jahrhundert verbraucht. Da ist es gut, dass Tulia genügend Material beisammen hat und in die Heimat zurückkehrt, ganz verklärt von der Liebe zu ihrem Straßenmaler, der als Raffael wie ihr Schutzengel fungiert. Ihr Buch wird natürlich ein Erfolg und natürlich tut es ihrem untreuen Partner leid, dass er sie verlassen hat. Doch eine Rückkehr zu ihm ist nicht in Sicht, denn sie ist ganz und gar Raffaello verfallen und entrückt wie die Engel, die er zu malen verstand.
Das Buch ist kein Ersatz für eine anständige Malerbiografie, noch nicht einmal eine Aufforderung, sich eingehend mit diesem Genie zu beschäftigen. Es ist eine gut gemeinte Liebesschnulze, von denen es bessere, aber eben auch viele schlechtere gibt
Die Signatur der Liebe Gina Buonaguro, Janice Kirk Original "The Sidewalk Artist"
edition Lübbe ISBN 978-3-7857-1588-8
Gebunden, 272 Seiten
November 2007
Preis: 18,- Euro