Die Inszenierung ist so blutig, dass auch der gestandene Polizist Bosman schockiert ist. Der Schock führt sogar dazu, dass er den Polizeipsychologen Dirk Deleu zu dem Fall hinzuzieht, obwohl dieser die Welt des Mordens eigentlich hinter sich gelassen hat. Doch Deleu beißt an und lässt sich auf eine gefährliche Hatz ein.
Die ganze Familie ist ausgelöscht und zu einem blutigen Tableau arrangiert. Es sind diese Fälle, die den Polizeipsychologen Dirk Deleu dazu gebracht haben, sich endgültig ins Privatleben zurückzuziehen. Doch als sein ehemaliger Kollege Jos Bosman in seinen Frieden hereinbricht, ist die Versuchung zu groß – er muss und will den Wahnsinnigen stoppen, der seine blutige Spur durch Belgien zieht.
Verzweifelt versucht Deleu ein Muster zu erkennen, das erklärt, warum die Eltern grausam abgeschlachtet, die Kinder hingegen „nur“ mit einem Genickschlag getötet wurden. Als weitere Opfer hinzukommen, begreift er, dass sich die Wut des Täters vor allem gegen Frauen richtet – gegen schwangere Frauen. Doch dieser Erkenntnis folgt eine zweite, noch erschreckendere, nämlich das Wissen, dass die Fassade des Abseitigen oft genug die Normalität ist.
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Der Auftakt ist vielversprechend – ein grausamer Mord wird aus der Perspektive Dritter geschildert, ein Polizeipsychologe beginnt eine akribische Spurensuche, der Leser wird eingeladen, jedem noch so kleinen Hinweis zu folgen und ein Muster dahinter zu erkennen. Und er fühlt sich in seiner Ehre als intelligenter Fährtensucher gepackt und ist dementsprechend bei der Sache. Die Spannung dauert ungefähr hundert Seiten.
Es ist nicht ganz verständlich, warum aus der schlauen, wenn auch reichlich blutigen Spurensuche auf einmal ein gewalttätiger Reißer wird, der bestrebt scheint, jedes Klischee zu bedienen, das auf dem derzeitigen Thrillermarkt zu haben ist. Zum einen scheint der belgische Autor Luc Deflo in seinem Debütroman zu versuchen, dem Begriff „sadistisch“ neue Seiten abzugewinnen, zum anderen stellt sich gerade die Figur des Täters als Enttäuschung heraus.
Wir kennen den Typ des gepeinigten, schizophrenen Mörders, der Stimmen hört und in seiner Kindheit von einer dominanten Frau – mit Vorliebe einer Mutter oder Großmutter – gepeinigt wurde, spätestens seit Norman Bates. Inzwischen ist er in so ziemlich jeder Spielart ausgereizt worden, und auch Deflo kann ihm keine neuen Seiten mehr abgewinnen, auch wenn er sich redlich bemüht, die Figur durch überraschende Wendungen interessanter zu gestalten.
Auch wenn Luc Deflo in Belgien zur absoluten Spitze der Thrillerautoren gehört, muss man sich doch fragen, warum er die guten Ansätze des Romans im weiteren Verlauf der Handlung so gnadenlos in seichtes Fahrwasser lenkt. Wenn man das Buch aus der Hand legt, ist außer einem zugegebenermaßen gelungenen Dreh am Ende nur ein überaus blutiger Routinethriller übrig, der weder durch Figuren noch durch Sprache überdurchschnittlich begeistern kann.
Fazit: Routinierte Gewaltorgie aus Belgien, die gute Ansätze verschenkt