Als Hollys große Liebe Gerry an einem Gehirntumor stirbt, bleibt sie neunundzwanzigjährig alleine zurück. In ihrer Verzweiflung entzieht sie sich ihrer Umwelt und versinkt in Einsamkeit, bis sie der erste von 12 Briefen erreicht, die Gerry vor seinem Tod verfasst hat. Mit aufmunternden Worten und sorgfältig geplanten Hilfestellungen steht er seiner Frau so während des ersten Jahres der Veränderung und des Verlusts zur Seite.
Geschichten um den Tod geliebter Menschen und der damit einhergehenden Verzweiflung und Einsamkeit sind meist zwei großen Risiken ausgesetzt: Entweder sie begegnen den fokussierten Emotionen zu oberflächlich und schaffen daher keine Empathie mit den Figuren oder sie schlagen in das andere Extrem um und erzeugen mittels überhöhter Dramatisierung eine Stimmung weinerlicher Sentimentalität, die das Publikum ebensowenig erreicht.
Lachen unter Tränen
„P.S. Ich liebe Dich“, die filmische Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Cecelia Ahern, behandelt ebendieses Thema des Verlusts der großen Liebe und scheint geradezu prädestiniert, in besagte Fallen zu tappen. Doch Regisseur Richard LaGravenese, der auch das Drehbuch schrieb, umschifft sie beide gekonnt, und das in einer bestechenden Mischung aus Humor und Trauer, die zum Mitfühlen einlädt, zu Tränen rührt und dabei doch in jedem Augenblick ein starkes Plädoyer für Lebensmut bleibt. Ausschlaggebend ist hierbei mitunter auch der Fokus der Erzählung: Nicht allmähliches Siechtum und Tod eines Kranken stehen hier im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie eine junge Witwe mit einem so massiven Verlust umgehen kann, ohne unter Verzweiflung, Unverständnis und Einsamkeit endgültig zu zerbrechen.
Emotionalität ohne Rührseligkeit
Anzeige Aus einer Kombination von Schmerz, der in seiner Reinheit und Intensität bewegt, Humor und Lebensmut entsteht eine Charakterstudie, die die Liebe trotz aller Qual hochleben lässt und den Wert von Freundschaft und schönen Erinnerungen unaufdringlich und dadurch umso intensiver unterstreicht. Unter den bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzten Charakteren (u.a. Kathy Bates und Lisa Kudrow) sticht besonders das überzeugende Spiel von Hilary Swank als junge Witwe Holly hervor, welches die persönliche Entwicklung zwischen Loslassenmüssen und geliebter Erinnerung, zwischen neuem Lebenssinn, Verzweiflung und Trauer berührend und authentisch wiedergibt.
Ohne ein einziges Mal in den Kitsch abzugleiten, beantwortet Regisseur LaGravenese die Frage, ob das Erlebnis der Liebe jemals die Qual ihres Verlustes wettmachen kann, ebenso ernsthaft wie humorvoll mit einem überzeugten „Ja!“. Zu berühren ohne dabei rührselig zu werden, gehört zu jenen Anforderungen an das Genre Drama, welche kaum jemals in befriedigender Weise erfüllt werden. Hier ist es gelungen.
P.S.: Ich liebe Dich Buchvorlage: "P.S.: Ich liebe Dich" von Cecelia Ahern
Darsteller: Hilary Swank, Gerard Butler, Gina Gershon, Lisa Kudrow, Harry Connick jr., Kathy Bates
Regie: Richard LaGravenese
Produzenten: Wendy Finerman, Broderick Johnson, Andrew A. Kosove, Molly Smith
Drehbuch: Steve Rogers, Richard LaGravenese
Kamera: Terry Stacey
USA, 2007
FSK: Ohne Altersbeschränkung
129 Minuten