Unsere Welt wird durch Computer gesteuert und kontrolliert. Wenn wir unser Handy eingeschaltet haben, kann man unsere Position orten, unsere Nummernschilder werden auf der Autobahn gescannt und gespeichert, Kamerabilder von öffentlichen Plätzen aufgenommen und ausgewertet. Elektronische Anlagen steuern Aufzüge, Ampeln, Flugzeuge und Waffensysteme, und die meisten dieser Geräte sind über das Internet miteinander verbunden.
Sollte uns das Sorgen machen?Für Mark Helius ist die allgegenwärtige Präsenz der Rechenmaschinen eher ein Segen. Mit einer kleinen Start-Up-Firma hat er ein mächtiges System namens DINA entwickelt, das die verteilte Rechenpower nutzt, um komplexe Berechnungen durchzuführen und eine gewaltige Wissensbasis aufzubauen. Wettervorhersagen und die Simulation anderer hoch komplizierter Modelle werden so ermöglicht.
Auch ein Investor scheint bereits gefunden, doch bei der entscheidenden Präsentation gibt das System falsche Antworten. Wahrscheinlich ein einfacher Programmierfehler, der Helius jedoch seinen Job kostet. Kurz darauf wird der Chefprogrammierer der Firma tot im Büro aufgefunden – und laut der computergesteuerten Schließanlage war Helius der letzte, der das Gebäude verlassen hat. Im Handumdrehen wird Helius vom Geschäftsführer zum Mordverdächtigen.
Auch der zweite Programmierer, der entscheidend an der Entwicklung von DINA mitgewirkt hat, stirbt kurz darauf. Von der Polizei, die immer wieder anonyme Tipps über seinen Aufenthaltsort erhält, wird Helius gejagt, er findet Unterschlupf bei einer Hackerin und ehemaligen Mitarbeiterin seiner Firma. Gemeinsam versuchen sie, dem Täter auf die Schliche zu kommen – stecken Hacker oder Terroristen dahinter? Oder ist es tatsächlich ein Computersystem, das es auf die Menschheit abgesehen hat?
Der Roman „Das System“ ist bei weitem nicht der erste Thriller, in dem sich Computer gegen ihre Erschaffer wenden. Dadurch, dass der Autor selbst in Künstlicher Intelligenz promoviert und somit zumindest etwas Ahnung von dem hat, worüber er schreibt, bleibt der Leser wenigstens vor gröbstem Unfug wie tödlichen Stromschlägen aus dem PC verschont. „Das System“ ist abenteuerlich, aber in weiten Teilen doch nicht gänzlich unrealistisch.
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„Computer können keinen eigenen Willen haben, die machen nur, was man ihnen sagt“ – dieser Satz gilt zwar im Prinzip, ist aber doch nur die halbe Wahrheit. Längst ist es gang und gäbe, Maschinen nicht mehr so zu konstruieren, dass man ihnen die Lösung zu einem Problem vorgibt, sondern vielmehr so, dass man sie mit Sensoren und einer Menge von möglichen Aktionen ausstattet, aus denen sie selbst diejenigen auswählen können, die zum Ziel führen. Intelligente Roboter passen sich dynamisch ihrer Umgebung an und werden so entwickelt, dass sie lernen, sich selbst zurecht zu finden. Und ein Programmierer kann im Regelfall nicht mehr vorhersagen, wie sich ein Programm im Einzelfall verhalten wird.
Vor diesem Hintergrund ist es nur noch halb so erstaunlich, dass Programme unvorhergesehene Dinge tun. Sicherlich, „Das System“ ist Science Fiction, aber man bekommt während des Lesens das beklemmende Gefühl, dass wir von solchen Szenarien nicht mehr allzu weit entfernt sind. Immer wieder streift Olsberg am Rande die vielen alltäglichen Situationen, in denen wir abhängig vom Funktionieren kleiner und großer Rechenmaschinen sind.
Der Roman ist thematisch anregend und auch fundiert recherchiert, die literarische Umsetzung fällt dagegen jedoch stark ab. Zunächst einmal stört die Sprache – plumpe, einfache Sätze, wie sie ein Zehntklässler formulieren würde, ziehen sich durch das gesamte Buch, von einem ästhetischen Umgang mit der Sprache weit und breit keine Spur. Auch die Handlung ist, trotz aller Brisanz, nicht in einen spannenden Plot gegossen, die kurz eingestreuten Seitenhandlungsstränge bleiben zu fragmentarisch, um als Cliffhanger dienen zu können. Und nicht zuletzt sorgen die holzschnittartige Gestaltung besonders der Nebencharaktere und die wenig glaubwürdige Dreiecksgeschichte zwischen Helius, seiner Frau und der Hackerin Lisa für ein eher getrübtes Lesevergnügen. So ist „Das System“ zwar kurzweilig zu lesen, aber von einem „atemberaubenden Thriller“, wie der Klappentext verspricht, weit entfernt.