Wenn Paare ein Kind bekommen, dann ändert sich alles. Das ganze Leben wird auf den Kopf gestellt und umgekrempelt. Einzigen Halt bieten Ratgeber, die sich mit Kinderkrankheiten und Erziehung beschäftigen. Die Eltern selbst geraten völlig in den Hintergrund. Ohne Rücksicht auf das eigene Befinden werden die lieben Kleinen großgezogen. Diese Aufopferung hat ihren Preis.
Auch Eltern leiden unter Befindlichkeitsstörungen und schwerwiegenden psychischen und körperlichen Krankheiten. Da ist zum Beispiel das gefürchtete „Münchhausen-Syndrom“. Es ist leicht zu diagnostizieren. Die Eltern tischen ihren Kindern die unglaublichsten Lügen auf. Sie behaupten ihren Kindern gegenüber, dass man von zu viel Fernsehen viereckige Augen bekommt, dass Zappeln beim Essen Darmverschlingungen macht, dass man aufessen muss, damit die Sonne scheint und dass man von zu viel Süßigkeiten Würmer im Bauch bekommt. Eltern, die unter dem Münchhausen-Syndrom leiden, erkennt man an einer langen Nase.
Eine Krankheit, die bei Eltern zu Übergewicht führen kann, nennt sich „Mitesser“. Eltern zeigen sich hier als Reste-Esser vom Kinderteller. Die Krankheit ist chronisch. Eltern stopfen alles in sich hinein, was das Kind nicht von seinem Teller isst. Das sind zum Beispiel die Pfefferränder von der Salami, das Weiße vom Ei, das Fett vom Fleisch oder das Verbrannte vom Toast.
Anzeige Weit verbreitet ist auch der „Jugendwahn“. Bezeichnet wird damit das zwanghafte Bedürfnis der Eltern, vom Kind und dessen Freunden als Kumpel akzeptiert zu werden. Eltern hören die neuste MP3-Musik, die sie illegal aus dem Internet heruntergeladen haben, verwenden Ausdrücke wie „krass“ oder „geil“ und ähneln ihren Kindern vom Styling her.
Dieses auf Selbstironie abzielende Buch ist äußert lustig. Man kennt sie alle, diese Krankheiten, in leichten Formen und auch ausgeprägt. Jede elterliche Macke bekommt hier einen Namen und wird zur Krankheit stilisiert. Die Autorinnen zeichnen sich durch große Fachkompetenz aus. Sie wissen wovon sie reden, sind sie doch selbst Mütter. Von der Erziehung gebeutelte Eltern können mit dem Buch wunderbar entspannen und endlich mal herzhaft über die kleinen Katastrophen des Lebens lachen.
Jedem Elternteil wird das Buch dennoch nicht gefallen. Dazu sind manche Witze einfach zu platt und zu klischeehaft.
Optisch macht das Buch den Eindruck eines seriösen Ratgebers. Die Elternkrankheiten sind alphabetisch geordnet und mit erfundenen lateinischen Namen versehen. Es gibt sogar Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Krisenbewältigung.
Fazit: Wer wenigstens etwas Humor hat, wird seine Freude an diesem Elternratgeber haben. Er weckt die Lebensgeister und hilft gegen elterlichen Kummer jeder Art.