Die Engländer konnten schon immer Krimis schreiben - und so wie England getrost als das Mutterland des Fußballs gelten kann (und in der Nicht-Qualifikation Englands für die EM eher ein Anti-Europa-Protest zu sehen ist als ein sportlicher Misserfolg), so ist England auch die Wiege des Krimis, bot doch vor allem das viktorianische Zeitalter genügend Atmosphäre für düstere und mysteriöse Vorgänge.
Peter James, seines Zeichens Engländer, Filmproduzent und Krimiautor legt nun schon seit ein paar Jahren Thriller vor, die man allesamt als Musterbeispiele des Genres qualifizieren kann. Zudem verkaufen sie sich mehr als nur recht gut, woran sicherlich auch die oft drastische Titelgebung einen großen Anteil hat: Stirb schön, Stirb ewig und ganz aktuell: Nicht tot genug! Und wie die beiden Vorgängerromane steht auch in Nicht tot genug James’ Sonderermittler Roy Grace im Mittelpunkt, der auf dankeswerte Art und Weise so wenig gemeinsam hat mit all den Ermittlern, die uns die Skandinavier seit Jahren bescheren – was nicht heißen soll, dass diese schlecht seien, aber wenn nun jeder uns einen Wallander präsentierte, wo kämen wir da hin?!
In der Nacht, als Katie Bishop in ihrem Haus in Brighton vergewaltigt und ermordet wird, ist ihr Mann Brian fast hundert Kilometer weit von ihr entfernt bei einem Golfturnier - und dort erfolgreicher denn je! Und doch finden die Polizisten am Tatort nur seine DNA. Zwei Tage später wird eine weitere junge Frau, seine mutmaßliche Geliebte, misshandelt und ermordet. Und wie beim ersten Mord, finden sich auch an diesem Tatort nur Spuren von ihm. Doch Brian Bishop streitet alles ab, kann sogar für beide Tatzeiten genaue Alibis liefern. Will ihn jemand ruinieren oder ist er einfach nur ein besonders cleverer Lügner und verdammt nah am perfekten Mord? Als eine dritte Frauenleiche aus dem Ärmelkanal gezogen wird, entschließt sich Detective Superintendent Roy Grace, den Mörder vor laufender Kamera herauszufordern, indem er ihn eine Bestie nennt. Doch damit bringt er den Mörder auf eine Idee, die für Roy Grace und die Frau, die er liebt, lebensgefährlich wird. Und so wird der Jäger am Ende selber zum Gejagten.
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Der kurze Handlungsaufriss zeigt, es ist ein typischer Plot – an sich nichts Aufsehenerregendes. Doch James gelingt es trotz einiger Klischees in seiner Handlungsführung daraus einen spannenden und an vielen Stellen sehr überraschenden und vor allem auch unheimlichen Krimi zu spinnen, dessen bedrängende und bedrohliche Atmosphäre einen ganz besonderen Nervenkitzel auslöst. Erzählerisch merkt man James’ Büchern, so auch diesem, dessen Erfahrung als Drehbuchschreiber und Filmproduzent an: Bilderreich, flüssig und mit einem guten Gespür für gelungene Bilder und Szenenwechsel führt er seine Leser über die Schauplätze und an den mit wenigen aber dafür sehr treffend skizzierten Charakteren vorbei. Leider aber – und da hat er sich vielleicht doch wieder zu sehr an den skandinavischen Mitstreitern orientiert – rückt Roy Graces Privatleben, das sich als äußerst turbulent erweist, immer mehr in den Vordergrund: Von einem Kollegen hat er erfahren, dass dieser seine seit Jahren verschollene Frau gesehen haben will. Klar, dass er diesem Hinweis nachgehen will und ebenso klar, dass seine aktuelle Freundin das nicht ganz so töfte findet. Und statt diese Verwicklungen mit einer Prise Humor zu beschreiben, wird James Erzählton hier ganz ernst und leider auch etwas zu kitschig – und das stört den Lesefluss dann doch empfindlich.
Das solls aber mit den negativen Bemerkungen auch schon sein: wer einen atmosphärisch dichten und über weite Stellen hinweg auch spannenden wie düsteren Krimi lesen will, ist hier sicherlich an einer der momentan besten Adressen!
In der Nacht, als Katie Bishop vergewaltigt und ermordet wird, ist ihr Mann Brian über sechzig Meilen weit von ihr entfernt. Und doch finden die Polizisten am Tatort nur seine DNA. Zwei Tage später wird eine weitere junge Frau misshandelt und ermordet. Auch an diesem Tatort finden sich nur die Spuren von Brian Bishop. Doch der streitet alles ab, kann sogar für die Tatzeiten genaue Alibis liefern. Als schließlich eine dritte Frauenleiche aus dem Ärmelkanal gezogen wird, weiß Detective Superintendent Roy Grace, dass hier ein Monster am Werke ist. Und sagt das auch vor laufender Kamera. Das bringt den Mörder in Rage und auf eine Idee, die das private Glück von Roy Grace bedroht.