Als der amerikanische Tennisstar Drew Martin ermordet in Italien aufgefunden wird, bitten die dortigen Behörden Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta um Hilfe. Bald finden sich erste beunruhigende Hinweise: Der „Sandman“ hält sich mittlerweile in den USA auf und denkt scheinbar nicht daran, mit seinen grausamen Werken aufzuhören…
Kälter, härter, hoffungsloser
Das „Totenbuch“ bildet den mittlerweile 15. Band aus Patricia Cornwells Erfolgsserie um Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta. Diese weist in ihrer Charakterisierung vom ersten Teil an deutliche Ecken und Kanten auf, ist als Frau in einer expliziten Männerdomäne betont couragiert, engagiert und willensstark gezeichnet. Erfreulicherweise schaffte es Cornwell bisher stets, ihre Protagonistin sowie die übrigen Hauptfiguren in jedem Band der Reihe charakterlich weiterzuentwickeln und auf diese Weise am Leben zu erhalten. Sie existierten in keinem fiktionalen Vakuum, sondern wurden älter, erlebten Rückschläge ebenso wie Erfolge und erschienen so als erfreulich authentische und individuelle Persönlichkeiten.
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Weiterentwickelt wurden die Charaktere auch im „Totenbuch“, wobei die seit mehreren Bänden vorhandene Tendenz zur Härte, Verbitterung und Lebensenttäuschung der Figuren allerdings ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Das Umfeld der Gewalt und Verstörung war zwar in jedem der Bände durch originelle Antagonisten und grausame Taten stark vertreten, hatte Scarpetta und die übrigen Figuren jedoch bis dato noch nicht emotional erreicht. Dank dieser Distanz erlebten sie daher auch durchaus Positives, ließen zuweilen Humor und Optimismus aufblitzen, und bildeten auf diese Weise trotz aller charakterlichen Vielschichtigkeit eine emotional stabile Basis, zu der der Leser immer wieder zurückkehren konnte.
Dies hat sich offenbar geändert, denn im „Totenbuch“ sticht ein psychotischer Mörder, der Frauen quält und auf grausame Weise ermordet, nur mehr marginal aus den zahlreichen Problemen hervor, welche die Figuren belasten: Trunksucht, sexuelle Hörigkeit, Krankheit und Einsamkeit bewegen die Gemüter, treiben die Geschichte voran und lassen die Figuren in einem nicht endenwollenden Strudel aus negativen Erlebnissen streiten, räsonieren und in Weltschmerz versinken. Hinzu kommt eine nicht allzu originell gezeichnete Mörderfigur, deren pathologische Charakterisierung zwar durchaus aktuelle Problematiken thematisiert, aber in ihrer Stereotypie den Einfallsreichtum der Vorgängerbände schmerzlich vermissen lässt. Samt und sonders eingehüllt in traurige Ereignisse und ebenso verbitterte wie enttäuschte Lebenshaltungen, können auch Cornwells Hauptfiguren die Wirkung des Romans nicht retten, der in Summe seinen Titel zum Programm macht, und primär pessimistisch bis trist stimmt, ohne zuvor wirkliche Spannung erzeugt zu haben.
Kay Scarpetta versucht einen neuen Anfang, um vor den Dämonen der Vergangenheit zu fliehen. Doch ihrem alten Todfeind kann sie auch in Charleston, South Carolina, nicht entkommen: Er sitzt in einer psychiatrischen Anstalt an der Ostküste und sorgt dafür, dass es die berühmte Pathologin bald mit einem bestialischen Mord zu tun bekommt. Am Anfang sieht es für Kay Scarpetta, ihre Nichte Lucy und Pete Marino in Charleston, South Carolina, gut aus. Ihr neu eröffnetes forensisches Labor für Pathologie floriert. Doch wie aus heiterem Himmel beschuldigt sie ein mächtiger Politiker der Profitgier. Ist dieser Mann auch für die Sabotage in ihrem Labor verantwortlich? Oder wer sonst will Kay Scarpetta aus Charleston vertreiben? Dann wird die Pathologin mit dem brutalen Mord an einer Frau in deren Luxusapartment am Strand konfrontiert. Es folgen zwei weitere Mordfälle, einer barbarischer als der andere. Und als viertes Opfer steht Kay Scarpetta auf der Todesliste.