Robert Löhr nennt seinen Roman einen historischen Roman.
Das ist nun sicher übertrieben und soll es wohl auch sein, denn ehemals berühmte Dichter geben die Protagonisten, während eine fabelhaft erfundene abenteuerliche und obskure Geschichte den Plot bildet. Wie geht das zusammen?
Goethe soll im geheimen Auftrag des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach den vermeintlichen Dauphin von Frankreich, der sich in den Händen Napoleons befindet und in Mainz versteckt wird, befreien. August von Weimar fürchtet Napoleon und er fürchtet vor allem, dass man den Dauphin umbringen werde, um zu verhindern, dass er als Ludwig der XVII. den französischen Thron besteigt. August von Weimar aber will genau das: Ludwig aus den Händen seiner Häscher befreien, Napoleon die Herrschaft entreißen und mit Ludwig dem XVII. die Monarchie wiedererrichten.
Goethe ist zwar entsetzt über das Ansinnen seines Freundes, nimmt die Aufgabe aber an. Er sucht in Schiller und Alexander von Humboldt Mitstreiter. Sie machen sich flugs auf die Reise, um in Frankfurt noch Bettine von Arnim dazu zu gewinnen. Auch sie willigt freudig in das Abenteuer ein, denn sie verehrte Goethe bekanntlich sehr. Die Entführung wird tatkräftig angegangen und auf ihren abenteuerlichen Wegen hört man den Gesprächen und Erlebnissen der einflussreichen und berühmten Dichter zu. Was zunächst wie Klamauk erscheint, entwickelt sich zu einem amüsanten und höchst geistreichen Zusammenspiel der bekanten Größen aus Literatur, Geschichte und Forschung.
Anzeige Die Zeit der Romantik lebe hoch! Die Jahre um 1800 sind politisch und im gesellschaftlichen Diskurs glänzend beschrieben, detailgenau und faszinierend. Auch die handelnden Personen werden glaubwürdig in ihrem Denken verkörpert. Goethes Weisheit ist ersichtlich, Schiller wirkt mutig, Achim von Arnim pedantisch und Bettine von Brentano, Arnims spätere Frau, kapriziös, verspielt und neckisch. Humboldt ist weit gereist und daher mit Weltblick ausgestattet. Zuletzt stößt mutig Heinrich von Kleist noch zur Gruppe dazu.
Die Handlung ist erfunden, die Figuren aber lehnen sich nahe an das an, was von ihnen überliefert ist.
Die Städte Weimar, Frankfurt und Mainz finden mit ihren Strassen und Gassen Erwähnung; Reisen in der Kutsche, Überfälle und abenteuerliche Wege zeigen die Zeit um 1805, wie man sie sich vorstellen möchte.
Abwechselnd ist die Sprache der Zeit um 1800 entlehnt, um dann einer recht burschikosen und saloppen Diktion zu weichen, die dem heutigen Zeitgeist entspricht. Die Gespräche drehen sich um die französische Revolution, um die Vorteile der Monarchie, um die Jakobiner, Sansculotten und Napoleon mit seinem zerstörerischen Eroberungswahn.
Auch ohne Kenntnis der Klassiker kann man den Themen folgen, denn humorig und spritzig sind die Unterhaltungen, amüsant und zum Lachen die Kalauer. So manchen weisen Spruch wird man aus den Werken der großen Dichter und Denker wieder erkennen. Von "Heinrich mir graut vor Dir", einem Ausspruch von Goethe bis zu "dem Mann kann geholfen werden" aus Schillers Drama Die Räuber reichen die Originaltöne. Ein reiches Quellenstudium muss der Romanschreiber betrieben haben.
In schelmischer und humorvoller Weise verbindet Löhr seine Recherchen über die Historie mit Erfundenem, so dass ein amüsanter Mix aus wahren Begebenheiten und dazu erdichteter Geschichte entstanden ist. Abenteuerlich, teilweise grotesk, immer aber unterhaltsam, geistreich und witzig ist die Geschichte konstruiert. Zwischen Schelmenroman und Gaunerkomödie möchte man den Plot ansiedeln. Einige Längen sind zu ertragen, wenn man denn die Muße hat, sich auf das ausführliche Phantasiegebilde der Geschichte einzulassen.
Gelungen präsentiert sich hier ein Roman zwischen Dichtung und Wahrheit!
Goethe, mein Freund, ich bitte dich: Bekämpfe diesen Feind!« Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe hat mit einigem gerechnet, als er an einem Februarmorgen 1805 ins herzogliche Schloss gerufen wird. Hätte er allerdings geahnt, dass Fürst Karl August ihn dazu ausersehen hat, Napoleon zu stürzen, wäre er wohl lieber zu Hause geblieben. Stattdessen befindet er sich wenig später in Begleitung seines Freundes Friedrich Schiller und des reiseerfahrenen Alexander von Humboldt auf dem Weg ins französisch besetzte Mainz, um den wahren König von Frankreich zu befreien. Doch der Auftrag ist weitaus vertrackter als erwartet. Nacheinander kommen ihm die Bonapartisten, die Royalisten und die Romantiker in die Quere, und die Reise wird zur tödlichen Jagd quer durch Deutschland bis tief in den Schoß des Kyffhäusers.