Die Bewohner der Scheibenwelt, welche, getragen von vier Elefanten auf dem Rücken einer gigantischen Schildkröte, durchs All gleitet, freuen sich auf das kommende Silvesterfest, zu dem traditionell der Schneevater den braven Kindern Geschenke bringt. Doch was passiert, wenn durch einen Mordauftrag geheimnisvoller Wesenheiten die Assassinen-Gilde den völlig psychopathischen Herrn Kaffeetrinken auf diese freundliche Wesenheit ansetzt und der Schneevater daraufhin verschwindet? Mit Sicherheit Grässliches, wenn er nicht rechtzeitig auftaucht und daher wirft sich TOD höchstpersönlich in roten Mantel und Schlitten, um das Schlimmste zu verhindern und den Assassinen aufzuhalten, dessen Plan mit dem Tod des Schneevaters noch lange nicht endet…
An eine Real-Verfilmung von Terry Pratchetts Scheibenweltromanen hat sich, obgleich diese bisher in 34 Sprachen übersetzt und weltweit rund 45 Millionen Mal verkauft wurden, bisher noch niemand herangewagt. Durchaus verständlich, denn einmal ganz abgesehen von einer absolut bizarren Weltkreation, in der ein ganzer Kosmos skurriler Wesenheiten die wunderlichsten Abenteuer erlebt, hat zu Pratchetts Erfolg mit Sicherheit sein unnachahmlicher Wortwitz beigetragen, was die alte Debatte um Sinn und Qualität von Literaturverfilmungen natürlich beträchtlich anheizt.
Nun, jemand hat sich trotz allem getraut und es ist kein Blockbuster, der sich mit ähnlichen Literatur-Kassenschlagern wie dem „Goldenen Kompass“, dem „Herrn der Ringe“ oder „Harry Potter“ anlegt, nicht einmal eine Kino-, sondern eine vergleichsweise kleine, aber feine TV-Produktion unter der Regie von Vadim Jean. Dieser hat sich offenbar dazu entschlossen, der Breite und Komplexität der Vorlage Rechnung zu tragen und einen Zweiteiler von insgesamt 180 Minuten kreiert, um die Geschichte des gefährdeten Silvesterfestes in Ankh-Morpork und des zu dessen Rettung eilenden TODES im roten Weihnachtsmantel zu erzählen.
Anzeige Klingt bizarr und ist es auch
Mit der Vorstellung einer auf einer Riesenschildkröte durchs All schwebenden Welt kann man sich schnell mal gedanklich arrangieren, schwieriger wird es mit Wesenheiten wie der Seelenkuchenente, der Zahnfee, intelligenten Gebäuden und der Tatsache, dass der Tod eine halbmenschliche Enkelin hat. Pratchetts Ideenreichtum und die Voraussetzung der Muse, die man haben muss, um sich in der Komplexität seiner Scheibenwelt zurechtzufinden und die dort herrschenden Gesetze zu verstehen, kommt dem Medium Literatur wunderbar entgegen. Dort kann man sich die Zeit nehmen, um langsam alles kennenzulernen und sich dann auf die eigentliche Geschichte einzulassen. Und dies ist eine Zeit, die man selbst bei einer Zweiteilung der Handlung und einer Spielzeit von 180 Minuten im Film nicht zur Verfügung hat. Zumindest nicht in diesem Fall. Während man noch staunend zu begreifen versucht, dass sich in dieser Welt die Auftragsmörder scheinbar zu einer ganz legalen und offiziellen Gilde zusammengeschlossen haben, tauchen schon die geheimnisvollen Initiatoren des Mordkomplotts auf, deren Anliegen einiges an Aufmerksamkeit erfordert und die Geschichte nimmt rasant ihren komplexen Lauf.
So vieles reizt in der Scheibenwelt zum Innehalten, Betrachten und nochmaligem Überdenken, dass jemand, der vorher nicht zumindest einen Roman der Reihe gelesen hat, trotz aller Kürzung und Komprimierung von den faszinierenden Eigenheiten dieser Umgebung schier überschwemmt wird und in der auch nicht gerade simpel gestrickten Handlung rund um Phantasiegestalten, einen psychotischen Auftragskiller sowie TOD mit Verwandtschaft, womöglich den Anschluss verliert. Dennoch ist „Hogfather“ als eine sich sehr an der Vorlage orientierende Literaturverfilmung, der es durch starke Bilder, gelungene Dialoge und Liebe zum Detail auch gelingt, den spezifischen Witz, die Ironie und den Charme des Romans einzufangen, in Summe ein gelungener Versuch, eine sehr komplexe Geschichte in einer sehr skurrilen Welt filmisch zu verarbeiten. Sofern man sich trotz allem Staunen ob der ungewöhnlichen Gestalten und eigenwilligen Gesetzmäßigkeiten noch genug Aufmerksamkeit für die Handlung bewahrt.
Darsteller: David Warner
Regisseur:Vadim Jean
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Euro Video
Preis: 17,95 Euro