Nach den diversen Gammelfleisch-Skandalen mag man vielleicht vermuten, dass der Titel doch eigentlich "Tote haben Döner gegessen“ heißen sollte – aber damit würde man wahrscheinlich doch dem Kulturgut Döner sehr Unrecht tun. Wie dem auch sei, Döner sind nicht nur lecker sondern eignen sich auch ganz hervorragend bei der Aufklärung dubios-nebulöser Gewaltverbrechen! Wer hätte das gedacht!
Gedacht hat sich das der Satiriker Osman Engin, der in seinem ersten Krimi"Tote essen keinen Döner“ Don Osman ins Rennen schickt, die Zahl ungeklärter Morde und Verbrechen zu minimieren. Quasi eine Art deutsch-türkischer Sherlock Holmes oder vielleicht doch besser Colombo? Schusselig und leicht verplant geht Meisterdetektiv Osman Engin jedenfalls vor. Alles beginnt mit dem Umzug der Engins. Und jeder, der schon mal umgezogen ist, weiß, dass neben dem qualvollen Akt des Streichens oft noch weitere Fallen und Tücken bereitstehen. Doch den wenigsten dürfte bislang das passiert sein, was den Engins widerfährt: In ihrem Keller liegt eine Leiche – die sterblichen Überreste des hauseigenen Jung-Nazis. Für Don Osman also die perfekte Gelegenheit, seinem detektivischen Spürsinn freien Lauf zu lassen – zumal er der Polizei ohnehin nicht so wirklich über den Weg traut. Und so begibt er sich selbst auf Spurensuche nach dem Mörder, die ihn nicht nur in ein Labyrinth aus orientalischen Teppichen führt sondern auch in die rechte Szene, in der er chamäleonhaft, verdeckt ermittelt.
Das alles schreibt Engin mit dem so bitterbösen Humor und den unzähligen feinziselierten satirischen Nadelstichen, die man von ihm kennt und für die er schon zahlreich ausgezeichnet wurde. So erhielt er 2006 den ARD Medienpreis.
Anzeige Bei dtv sind zudem einige Taschenbücher mit gesammelten Satiren und kleineren Geschichten erschienen – alle ausnahmslos, wie auch „Tote essen keinen Döner“äußerst lesenswert. Gewöhnungsbedürftig ist allein die eigenwillige Schreibweise von Wörtern wie Life (Leif) oder Colombo (Colambo) doch daran hat man sich gleich gewöhnt. Und man sollte an dieses Buch am besten keinerlei Erwartungen haben: Egal, welche man hat, sie würden sowieso nicht erfüllt. Denn dieses Buch ist weder eine reine Satire, noch ein mustergültiger Krimi. Für eine Satire hat er zuviel Handlung, für einen Krimi wiederum zu wenig, bzw. zu hahnebüchen. Aber wer der durchaus sympathischen Meinung ist, political correctness und eine stringente Handlung in Büchern seien eher überbewertete Kriterien, und demnach Gefallen an Krimis der Marke „Zieh Dich aus, Du alte Hippe“ von Helge Schneider findet oder ein Fan feinster satirische Filetstückchen ist, für den bietet dieses Buch eine riesige Fundgrube an absurden, witzigen, bitterbösen und äußerst skurrilen Passagen, die alle das Zeug zur „persönlichen Lieblingspassage“ haben - und man darf gespannt auf den hoffentlich bald folgenden zweiten Band sein!
Ein gefundenes Fressen für jeden Döner-Fan, der seinen Döner gerne auch mal „ein bisi schaf“ mag!