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Startseite arrow Magazin & Interviews arrow Astrid Lindgren, Michael Ende und Co: Kinder- und Jugendliteratur

Astrid Lindgren, Michael Ende und Co: Kinder- und Jugendliteratur PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Birte Ziemann, am 07-01-2008 09:23
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Kinder und JugendEin schlechter Tag in der Schule, ein Streit mit dem besten Freund oder der besten Freundin, das Zimmer muss aufgeräumt werden und die kleine Schwester nervt! An so einem Tag möchte man sich doch am liebsten unsichtbar machen oder wegzaubern können. Oder zumindest mithilfe eines guten Buches zeitweise an andere Dinge denken und sich von einer aufregenden Geschichte mitreißen lassen. Und das geht nicht nur Erwachsenen so.

Natürlich haben auch Kinder und Jugendliche das Bedürfnis, sich in fremden Welten, mit außergewöhnlichen Helden und manchmal unter abenteuerlichen Bedingungen auf Erlebnisreise zu begeben. In der heutigen Zeit haben Bücher allerdings eine starke Konkurrenz in TV und Videospielen. Ist es doch viel einfacher, sich vor den Fernseher zu setzen und berieseln zu lassen. Doch anregender für den Geist und förderlicher für die sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten des Kindes oder Jugendlichen (und sicherlich mit einer positiven Wirkung auf die PISA-Studie verbunden) ist es allemal, wenn man liest oder etwas vorgelesen bekommt. Zumal ein noch so gut animierter Computerheld niemals die gleiche Lebendigkeit haben wird wie ein von der eigenen Fantasie beseelter „Buchfreund“.

Die Anfänge: Äsop und die Brüder Grimm

Doch nicht immer gab es auch speziell für Kinder und Jugendliche angefertigte und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Literatur. Am Anfang der Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur stehen sehr stark erzieherisch geprägte Werke, die nicht darauf ausgelegt sind, die Kinder in ihrer Persönlichkeit und Individualität zu stärken, sondern sie zu funktionierenden Erwachsenen zu machen. So dienten zum Beispiel im Mittelalter die Fabeln Äsops als Kindergeschichten, die in Gleichnissen menschliche Schwächen vorführen. Erst nach und nach wurde neben der erzieherischen Absicht auch die Unterhaltung der jungen Leser immer wichtiger. So wurden im 18. Jahrhundert einige der großen Klassiker für junge Leser bearbeitet, darunter z.B. Robinson Crusoe, Lederstrumpf, Gullivers Reisen und Moby Dick und dienten damit als Gegenstück zu der moralischen Literatur der Puritaner in England. Doch wie man an den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm sieht, gab es auch weiterhin die Tendenz, Kinder durch schockierende Geschichten zu erziehen und ihnen zu zeigen, was für furchtbare Konsequenzen Fehlverhalten haben kann.

Heute sieht das Angebot der Kinder- und Jugendliteratur wahrlich anders, vielfältiger aus. Für jeden Lesegeschmack ist etwas dabei, seien es die klassischen Pferdebücher für Mädchen oder Rittergeschichten für Jungen, Detektivgeschichten, Fantasybücher oder Bilderbücher für die ganz Kleinen. Im Mittelpunkt stehen dabei fast immer starke, selbstbewusste Kinder, die Aufgaben lösen, Ungerechtigkeiten bekämpfen und oft den Erwachsenen eine Nasenlänge voraus sind.

Und heute? Bullerbü und Phantasien für junge Leser

Gerade erst im November hätte die wohl bedeutendste Kinderbuchautorin Astrid Lindgren ihren 100. Geburtstag gefeiert. Kaum jemand ist in seiner Kindheit an ihren Werken vorbei gekommen und wer hat sich nicht das eine oder andere Mal gewünscht, so stark wie Pippi Langstrumpf, so mutig wie Ronja Räubertochter oder so frech wie Michel aus Lönneberga zu sein. Gerade an den Tagen, die nicht so laufen, wie man es sich vorstellt, hat man sich doch oft danach gesehnt, Abenteuer mit den Helden der schwedischen Autorin bestehen zu dürfen oder einmal Ferien in Bullerbü machen zu können.

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Ebenso beliebt sind wohl die Geschichten Michael Endes. In jedem seiner vier großen Werke entführt er die Leser in eine fantasievolle, von außergewöhnlichen Menschen und Wesen bevölkerte Welt. Da ist der Waisenjunge Jim Knopf, der in einem Paket verschickt wird, aber an der falschen Adresse landet. So verbringt er sein Leben auf Lummerland und geht mit seinem besten Freund Lukas und dessen Lokomotive Emma auf große Reise, besiegt einen Drachen, befreit dabei die Tochter des Kaisers von China und wird Hauptmann einer Piratenbande. Dann ist da Momo, die zusammen mit Meister Hora und der Schildkröte Kassiopeia die Welt und ihre Freunde vor den seltsamen grauen Herren bewahrt, die den Menschen ihre Zeit und damit ihre Lebensfreude stehlen, bis schließlich die ganze Welt stillsteht. Bastian, der Held der Unendlichen Geschichte, rettet zusammen mit dem Glücksdrachen Fuchur ganz Phantasien vor dem Untergang. In Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch geht es dann gar um Zauberer, sprechende Tiere und magische Tränke. Und allein den zungenbrecherischen Titel auszusprechen bereitet einigen Spaß.

Ein weiterer Großproduzent in Sachen Kinderbücher ist Otfried Preussler. Aus seiner Feder stammt zum Beispiel Der Räuber Hotzenplotz, dem wohl auch heute noch fast jedes Kind im Kindergarten begegnet. Doch auch Der kleine Wassermann und seine Abenteuer unter Wasser, Die kleine Hexe, die unbedingt in der Walpurgisnacht mit den großen Hexen fliegen möchte und Das kleine Gespenst von der Burg Eulenstein verdanken wir dem Einfallsreichtum Preusslers.

Unzählige weitere Autoren und ihre Helden lohnen es, entdeckt zu werden: Das Sams von Paul Maar, das nicht nur das Leben von Herrn Taschenbier kräftig durcheinander bringt. Janoschs Bücher und Geschichten, die sich oft um den kleinen Bären und den kleinen Tiger drehen und besonders für Leseanfänger geeignet sind. Oder Enid Blyton, die gleich mehrere Kinderbuchreihen geschrieben hat, wie z.B. Hanni und Nanni, die Fünf Freunde und die Schwarze Sieben.

Kinder- und Jugendbücher sind längst nicht mehr nur noch für Kinder interessant und lesenswert. Man denke nur an die Begeisterungsstürme, die Harry Potter sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen ausgelöst hat oder auch den großen Erfolg der Tintenherz-Reihe von Cornelia Funke, die im ersten Band selbst schreibt: „Sie [ihre Bücher] waren ihr Zuhause in der Fremde – vertraute Stimmen, Freunde, die sich nie mit ihr stritten, kluge, mächtige Freunde, verwegen und mit allen Wassern der Welt gewaschen, weit gereist, abenteuererprobt.“ Für viele Leser dürfte die Kinder- und Jugendliteratur also nicht bloß eine Flucht aus dem Alltag darstellen sondern immer auch eine kleine Zeitreise zurück in die eigene Kindheit. Wer alte Bekannte wiederentdecken oder neue Freunde finden will, ist herzlich eingeladen, auf literature.de nach Lust und Laune zu stöbern.

 

Foto (c) photocase 


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Letztes Update: 08-01-2008 16:27

Veröffentlicht in : Magazin, Specials
Schlüsselworte : Kinderbuch, vorlesen, kinderbuchtipps, jugendliteratur, astrid lindgren, michael ende, cornelia funke
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