Das ist immer so eine Sache mit den Genres. Was als bloße Fingerübung von Germanisten begann, um Studenten zu triezen, wurde in den letzten Jahren zum Ego-Trip diverser Kulturjournalisten, die eine gewisse Kreativität an den Tag legen, jedem Buch bzw. jeder AutorIn ein eigenes Genre zuzuschneidern. Ähnlich wie Harald Schmidt über Jahre hinweg Preise in extra zugeschneiderten Kategorien, von denen nie zuvor (und auch nie mehr danach!) gehört hat, eingeheimst hat, darf inzwischen jedes Buch, das etwas auf sich hält ein ihm exklusives Genre beanspruchen.
So auch Eva Rossmann mit ihren Mira-Valensky-Krimis. Das sind nämlich, das wissen wir von der ‚Qualitätskritikerin’ Frau Löffler „Unbefugte-Krimis“! Krimis also, in denen primär nicht die Polizei oder ein Detektiv im engeren Sinne ermittelt, sondern, wie in diesem Fall Mira Valensky, eine Boulevard-Journalistin, in Zusammenarbeit mit ihrer Putzfrau Vesna Krajner. Inzwischen liegen einige Krimis der ehemaligen Verfassungsjuristin und ORF- bzw. NZZ-Journalistin vor, die sich auf eine einerseits recht betuliche andererseits aber sehr intelligente und beinahe anarchistische Art und Weise ihren Fällen annimmt. In ihrem siebten Fall Wein & Tod führt die Beförderung der Protagonistin zur Chefreporterin sie gleich zu ihrem Fall. Sie soll eine groß angelegte Reportage über den neuen Starwinzer im österreichischen Weinviertel berichten. Da passt es nur zu gut, dass Hans Berthold, so heißt die ungetrübteste Hoffnung des österreichischen Weins, nicht nur nett und sympathisch sondern auch himmelblauäugig und auch sonst äußerst gut aussehend ist. Schade nur, dass er recht bald, nachdem Mira ihre Reportage abgeschlossen hat, ermordet wird. Und so setzt sich die Journalistin an den Fall, der von der Polizei eher stiefmütterlich als gewissenhaft bearbeitet wird. Denn Verdächtige und Nutznießer gibt es wie Reben am Stock. Die mehrfach hintergangene Frau des Verstorbenen will mit aller und verdachterregenden Kraft den Betrieb weiterführen, während die Konkrurrenten es nur zu gerne sehen würden, gelänge ihr das nicht. Schließlich zieht Mira zusammen mit ihrer Putzfrau bei den Bertholds ein – um den Fall direkt vor Ort aufzuklären.
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Eva Rossmann entwickelt ihre Geschichte, die einem typischen „Who dunnit“-Handlungsstrang folgt mit einigem Witz und Hintersinn, was sie – und das sei positiv gemeint – als Österreichische Autorin kennzeichnet. Rossmann leistet es sich, neben der spannenden Krimihandlung ihre Protagonistinnen mit einem Privatleben und relativ gut ausgeleuchteten und modellierten Charaktern auszustatten, die dem Buch eine zusätzliche witzige und interessante Ebene verleihen. Und endgültig Respekt verdient Rossmann dafür, dass es ihr gelingt, ihre Liebe zum Wein und zum Weinbau dem Leser unverkrampft zu vermitteln. Und zwar so, dass man Lust bekommt, nicht zum nächsten Supermarkt zu laufen, sondern den nächsten – am besten österreichischen - Winzer aufzusuchen und nach einer kräftezehrenden Weinprobe eine ganze Kiste tollen Weins nach Hause zu schleppen, um diesen dann gemeinsam mit dem Buch zu konsumieren.
Genau das Richtige für einen gemütlichen Leseabend – und sehr zu empfehlen mit einem Glas Wein.