Jubiläumsausgabe zum 150. Todestag des Autors in edler Neuausstattung
Die Novelle um den gnadenlosen Romantiker und namenlosen Freiheits-Halodri gehört zweifellos zu den wichtigen literarischen Kabinett-Stücken des vorvorigen Jahrhunderts. Wenngleich die Lebensweise kaum mehr nachvollziehbar ins Heute übertragbar ist, so erzeugt sie doch eine innere Sehnsucht nach diesem einfachen, gedankenlosen und glücklichen So-in-den-Tag-leben-können.
Wie gern möchte man das doch auch können. Dabei spielen die emotionalen oder gar finanziellen Tiefschläge – die am allerwenigsten – in keiner Situation oder Zeit eine wirklich tiefgreifende Rolle. Das entlastet, macht den Kopf und das Denken frei und lässt einen zweifelnd und gleichzeitig staunend die Geschehnisse erfahren, die der junge Müllersohn erlebt.
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Die letzten Seiten dieser in edler Leinenstruktur gebundenen Buchausgabe füllt ein Glossar zu wichtigen Begriffen und Hintergründen, das Nachwort des Herausgebers Hartwig Schultz sorgt für eine Neubewertung des Inhalts im Kontext von Literatur, deutschem Gemüt damaliger und heutiger Lebenswirklichkeit.
Die in der typischen Traxler’schen Geradlinigkeit und Schlichtheit gezeichneten Darstellung bringen so unnachahmlich das Wesentliche auf den Punkt – man kann es sich kaum anders wünschen oder vorstellen. Keineswegs im Comicstil und sicher doch verwandt mit dieser Darstellungsform sind die Illustrationen hundertprozentig an Stil und Aussage angepasst, als hätte sie der Zeichner schon bei der Erstausgabe des Büchleins so abgeliefert.
Sie unterstützen so treffend die Atmosphäre, dass man mit Genuss den altertümlichen und doch so jugendlichen Text – unendlich im schulischen Kontext traktiert – ganz neu genießen kann. Wem das gelingt, hat großes Lob verdient. So sei es Herrn von Eichendorff ohnehin und Herrn Traxler ganz aktuell hiermit ausgesprochen.
Joseph von Eichendorff
Aus dem Leben eines Taugenichts
Illustriert von Hans Traxler
Reclam, 2007
147 Seiten, gebunden, 16,90 Euro
ISBN 10: 3150106265
ISBN 13: 978-3150106266