Der Traum vom ewigen Leben ist einer, den die Menschheit schon seit Jahrhunderten träumt. Doch was, wenn sich dieser erfüllen, das ewige Leben winken und der Tod besiegt sein würde? Wäre dieser Traum so schön, wie man ihn sich vorstellt? Eine ebenso banale wie brillante Idee, dies in einem Roman zu verarbeiten, aus mehreren Gesichtspunkten zu betrachten und zu bewerten. Genau dies hat José Saramago getan. „Wer sonst?!“, werden all diejenigen sagen, die auch die bisherigen Werke dieses grandiosen Autors gelesen haben.
Es beginnt alles in einem Land, in dem alles seinen normalen Gang nimmt, bis zu jenem Silvesterabend, an dem die Menschen dieses Landes aufhören zu sterben. Dies scheint zunächst als etwas tolles, doch tauchen unerwartete Probleme auf. So geraten die Bestattungsunternehmen in große Not und lassen durch das Gericht verabschieden, dass in Zukunft alle Haustiere ordnungsgemäß bestattet werden müssen, um die Existenz ihres Gewerbes zu sichern. Doch auch die Altersheime und Krankenhäuser sind rasch überfüllt, denn zwar bleibt der Tod aus, die unmittelbare Vorstufe jedoch nicht, weshalb die Leute, die eigentlich sterben müssten, vor sich hin vegetieren müssen, ohne etwas daran ändern zu können – zumindest scheinbar, schließlich wird in den Nachbarländern noch normal gestorben. Auch die Kirche sieht ihre Existenz gefährdet, denn ohne Tod gäbe es keine Auferstehung. Was das bedeute, kann sich jeder selbst ausmalen.
Anzeige Innerhalb von sieben Monaten gilt es für die Regierung für derart viele Probleme eine Lösung zu finden, dass es nur über eine Zusammenarbeit mit der Maphia (nicht Mafia) möglich scheint. Ein gesellschaftliches Dilemma entwickelt sich. Bis letztlich die Verantwortliche für dieses Chaos – denn das ewige Leben zeigt sich als alles andere als das Paradies auf Erden – ein Einsehen hat. Um dies zu verkünden, lässt sie dem Fernsehdirektor einen Brief zukommen. Und dessen Inhalt, von tod – denn so schreibt sie sich – persönlich verfasst, erschüttert ihn so schwer, dass er umgehend den Ministerpräsidenten aufsucht. Ein noch größeres Unheil scheint sich anzudeuten. Und nicht nur das, denn plötzlich passiert sogar tod ein folgenschwerer Fehler…
Saramago setzt in Eine Zeit ohne Tod die Auseinandersetzung mit sozialen Phänomenen beeindruckend fort. Spannend, kritisch, auch mal humorvoll und philosophisch betrachtet er auf intelligente Weise die Reaktion einer Gesellschaft auf das Unfassbare. Außerdem zeichnet er ein Bild von einem Wesen, das für die Menschen eine ewige Unbekannte bleiben wird. Ein weiteres grandioses Werk dieses großen Schriftstellers. Saramago nicht zu lesen, auf diesen Gedanken sollte man gar nicht erst kommen.