Als plötzlich immer wieder Kinder spurlos verschwinden, wird die junge Lyra aus ihrem beschaulichen und fröhlichen Leben in einem altehrwürdigen College in Oxford gerissen. Schnell kocht die Gerüchteküche über und die Angst nimmt zu. Wer sind die geheimnisvollen „Gobbler“, die angeblich hinter den Entführungen stecken und was haben sie mit den entführten Kindern vor? Besteht da ein Zusammenhang mit der Forschungsarbeit von Lyras Onkel Lord Asriel, der im hohen Norden nach einem geheimnisvollen „Staub“ sucht? Im Versuch, all diese Fragen zu klären, wird das Mädchen immer tiefer in ein wahrhaft kosmisches Geheimnis gezogen, das ihr Leben für immer verändern wird.
Komplexe Fantasy für konzentrierte Leser
Philip Pullmans Auftakt zu seinem Fantasy-Dreiteiler beeindruckt durch Ideenreichtum und Innovationskraft. Mit dem "Goldenen Kompass" kreiert der Autor eine neue Welt, in der Hexen und gepanzerte Eisbären mehr oder weniger friedlich koexistieren, die engsten Vertrauten der Menschen ihre eigenen Seelen in Tierkörpern sind und die eigene Welt nur eine unter Abermillionen anderer darstellt. Kombiniert mit einem komplexen und spannenden Plot rund um kosmische Urkräfte, Verschwörungen und Schicksal, gelingt es Pullman auf diese Weise, der eigentlich bereits leidlich bekannten Parallelwelten-Theorie neuen Reiz zu verleihen.
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Die Komplexität der Story, deren Grundzüge sich über immerhin drei ganze Bände ziehen, hat natürlich ihren Preis: Im vorliegenden ersten Band müssen die neue Welt und deren Gesetzmäßigkeiten erst erklärt werden, zusätzlich werden die Grundfragen der Handlung etabliert, deren Lösungen sich über alle drei Teile des Romans erstrecken. Heraus kommt jede Menge Information in parallel erzählten Handlungssträngen, deren Lektüre einige Konzentration und Aufmerksamkeit erfordert, um keine Zusammenhänge zu übersehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wichtig werden. Denn trotz aller Komplexität ist das Erzähltempo rasant gewählt, der Autor hält sich nie länger als notwendig in einer Erzählsituation auf sondern arrangiert eine Abfolge von Schauplatzwechseln und Handlungssprüngen, die einige überraschende Wendungen enthält und jede Menge Spannung erzeugt.
Phantasievoll und dynamisch kreiert Pullman auf diese Weise eine große Geschichte voller Geheimnisse, furchterregender Gegner, mysteriöser Verschwörungen und sympathischer Helden. Geschickt flechtet er dabei in sein buntes Fantasy-Spektakel grundlegende Themen wie die Macht der Kirche sowie die damit zusammenhängende Frage nach der Wichtigkeit moralischer Selbstbestimmung ein, fordert damit sein zumeist jugendliches Publikum in puncto Verständnis komplexer Erzählstränge und regt dieses darüber hinaus zur Reflexion über essentielle Fragen an.