„Was der Mensch mit der Natur teilt, was er von ihr fordert oder auf sie überträgt, ersehnt und abweist, dies alles mag Lied und Gedicht werden oder Musik und Philosophie oder Mythos und Religion, aber innerhalb der sichtbaren Welt muss es früher oder später Garten werden.“
Das schreibt der Schriftsteller Rudolf Borchardt und die Parks und Gärten überall auf der Welt geben ihm recht. Gärten sind konkrete Anlagen über den Menschheitstraum vom Paradies, sie blühen als farbenprächtiges Abbild der Schöpfung en miniature. Sie inspirieren Menschen zum Umgang mit der Natur, zum Wechselspiel von Licht und Schatten. Wo ein Garten gedeiht, lauert ein Fotograf oder ein Maler.
Einer von ihnen ist der Maler Günther Hermann, der bei Gießen lebt und arbeitet. Er wählt berühmte Gärten zum Thema seiner Bilder und erzählt im Sinne eines Kunstkurses darüber, wie man es schafft, die Blumen oder einen speziellen Lichteinfall im Bild festzuhalten. Hoffmann zieht mit Pinsel und Palette durch so namhafte Gärten wie den des Malers Claude Monet in Giverny, oder den der Villa Lante in Bagnaia. Malend und staunend war er in Sizilien ebenso unterwegs, wie in Portugal und Frankreich. Er skizziert das berühmte Wörlitzer Gartenreich in Dessau, vertieft sich in Gärten in Nordirland, über denen das Licht gedämpfter und milchiger leuchtet. Zu jedem seiner blühenden Ziele notiert der Naturmaler einige Eckdaten über Entstehungszeit und die Art der Anlage und stellt neben seine Gemälde auch die entsprechenden Fotografien.
Anzeige Teilweise wirkt das wie bei den Sehübungen zwischen Original und Fälschung in den Illustrierten. Gärten sind immer auch lebendiger Spiegel des Zeitgeschmacks und der vorherrschenden Naturauffassung. In der französischen Gartengestaltung des Absolutismus etwa ist der beherrschende Punkt für alle Sichtachsen das Schloss. Die Hecken sind akkurat beschnitten, in Reih und Glied aufgereiht, es herrscht Ordnung, Gehorsam auch in der Natur. Mit dem Erwachen eines bürgerlichen Individualismus verändern sich von England ausgehend auch die Parks und Gärten. Endlich darf die Natur aufatmen, wird nicht mehr beschnitten, sondern kann sich scheinbar ungehemmt entfalten und mit dem praktischen Weideland am Rand des Parks zur harmonischen Einheit verschmelzen.
Günther Hermann hat unterschiedliche Parktypen gemalt und immer wieder zeigt er den Garten als Ort des intensiven Dialogs mit der Natur. Seine Zeichnungen sind Momentaufnahmen, entstanden durch genaue Beobachtung, Detailgetreue und geschickt komponierten Bildaufbau. Bei manchen Bildern meint man die Hummeln in den Blütendolden summen zu hören, den schweren Duft der Bougainvillen zu riechen, den zarten Wind, der an den Blättern zaust, auf der Stirn zu spüren. Es sind redlich gemalte Bilder von Blumen, vom Himmel, von den Skulpturen oder angedeuteten Ruinen in einem Stück Parklandschaft.
Die knorrigen Zweige des Olivenbaums scheinen es ihm besonders angetan zu haben, die Vegetation der mediterranen Länder taucht immer wieder auf. Günther Hermann bannt Abbilder auf die Leinwand, möglichst naturgetreu und so fehlt seinen Bildern auch Spannung, der überraschende Aha-Effekt, aus dem individuell eigenständigen Blick des Künstlers geboren. Doch das Buch ist ein gedruckter Volkshochschulkurs über die Technik des Malens und als Anleitung zum Umgang mit Pinsel und Farbe erfüllen diese brav anmutenden Bilder ihren Zweck. Ganz nebenbei wecken sie auch die Lust, die Farbenpracht eines Gartens mit dem wechselnden Licht und der vielfältig bunten Farbpalette in natura in Augenschein zu nehmen.
Günther Hermann Die Kunst-Akademie - Faszination Garten. Die Malreise durch die schönsten Gärten Europas. Englisch Verlag 2007
112 Seiten, gebunden, 39,80 Euro
ISBN 10: 3824113503
ISBN 13: 978-3824113507