„Ich glaube an zwei Dinge. An Disziplin und an die Bibel. Wir werden euch beides lehren. Ihr vertraut in Gott, aber euer Arsch gehört mir. Willkommen in Shawshank.“ Dieser smarte Satz gehört zum – man hätte es ahnen können – sadistischen Gefängnisdirektor Norton, dem sich nicht nur etliche Gefangene sondern auch Andy Dufresne, glänzend gespielt von Tim Robbins, gegenübersieht.
Wie es dazu kam? Andy Dufresne ist Vize-Präsident einer Bank, als er vor Gericht zu Unrecht des Doppelmordes an seiner Frau und deren Liebhaber angeklagt wird. Die Indizienkette ist erdrückend und Dufresne wird zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Seine Strafe sitzt er in der Strafanstalt Shawshank ab. Und wie das eingangs erwähnte Zitat nahe legt, es ist kein Gefängnis, in dem die Menschenrechte besonders hoch gehalten werden. Es herrscht Willkür, die Aufseher misshandeln die Gefangenen am laufenden Band, quälen sie, psychisch wie physisch. Regisseur Frank Darabont findet ziemlich eindringliche und furchtbare Bilder – und die Verwandlung des einst geachteten und gesellschaftlich etablierten Bankiers in einen von seiner Gefangenschaft zermürbten und gezeichneten Sträfling mit der Nummer 37927 ist mehr als eindrucksvoll. Doch bald freundet sich Andy mit Red (Morgan Freeman) an – ein Insasse, der schon seit zwanzig Jahren einsitzt und über etliche Kanäle und das Know-how verfügt, Dinge, egal welcher Art zu beschaffen. Und Andy hat ganz spezielle Wünsche: einen Gesteinshammer und ein Pin-Up-Poster von Rita Hayworth – beide Wünsche erfüllt ihm Red, trotz einiger Vorbehalte. Über die Jahre lebt sich Andy im Gefängnis ein und gewinnt nach und nach das Vertrauen des Personals. Für den Direktor und einige Wärter macht er die Steuererklärungen und kümmert sich auch um deren Erbschaftsangelegenheiten bis hin zu den ein oder anderen kleineren und größeren Betrügereien. Schließlich erhält er die Genehmigung, sich als Assistent des Bibliothekars Brooks Hatlen auch um die Gefängnis-Bibliothek und deren Neuordnung zu kümmern. Und so entkommt Andy der trüben Gefängnisroutine. Und als dann eines Tages der von Gil Bellows gespielte Tommy nach Shawshank verlegt wird, keimt in Andy die Hoffnung auf, vorzeitig entlassen zu werden, verdichten sich doch die Hinweise, dass sich Beweise für seine Unschuld finden lassen. Doch daraus wird nichts, schließlich hat Norton keinerlei Interesse seinen besten Buchhalter und Mitwisser seiner Betrügereien zu verlieren. Und so bleibt Andy nur noch ein Weg…
Anzeige In dem Film wie auch in der Erzählung „Pin-up“ (inzwischen firmiert sie unter dem Namen „Die Verurteilten“) des Großmeisters Stephen King geht es in erster Linie nicht um die Aufklärung des Mordfalls oder um die gesellschaftliche Rehabilitierung des zu unrecht Verurteilten, sondern um das Überleben in einer dunklen und entfremdeten Welt. Und es geht – auch wenn es sich pathetischer anhört als es letztlich ist: um Freundschaft und die Hoffnung, die Zuversicht. Über 140 Minuten gelingt es Darabont ein Film-Highlight vorzulegen, das 1994 erstmals in die Kinos kam und das nun in einer hochwertigen Box digital remastered erschienen ist - mit zahlreichem und interessanten Bonusmaterial, einer stark verbesserten Bild- und Klangqualität sowie einem sehr informativen Booklet. Über die Qualität des Films, der in verschiedenen Foren und Filmredaktionen immer wieder ganz weit vorne auftaucht, wenn es darum geht, die besten Filme zu ranken und der längst ein (Kult-) Klassiker geworden ist, wurde schon viel geschrieben – und im Zweifel stimmt das auch. Zwar war er für insgesamt sieben Oscars nominiert, konnte aber keinen einzigen gewinnen. Doch auch wenn die Academy-Ehrung versagt geblieben ist, bleibt die Erkenntnis, dass Die Verurteilten kraft einer starken Besetzung, klarer, atmosphärischer Bilder und einer völlig unaufgeregten und unprätentiösen Regie eine meisterhafte Literaturverfilmung der Stephen King Erzählung „Pin Up“ darstellt, der es gelingt die in der Erzählung nur angedeuteten Aspekte und Facetten intensiver und deutlicher auszuarbeiten.
Eine fulminante Wiederentdeckung (des Film sowie des kleinen aber sehr sehr feinen Erzählbandes „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“) und eine stimmige, weil mit nützlichen Gimmicks, Infos und Zusatzmaterial ausgestattete Neuauflage, die atmosphärisch nicht so ganz zu Weihnachten passen will – aber Stimmung und Atmosphäre ist letztlich nicht alles! Und somit ergeht eindringlicher Kauf-, Lese-, und Sehbefehl!
Die Verurteilten Nach einer Geschichte von Stephen King Regie: Frank Darabont
Darsteller: Tim Robbins, Morgan Freeman, Gil Bellows, William Sadler
Format: Dolby, Limited Edition, PAL, Surround Sound
Sprache: Englisch, Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Euro Video
DVD-Erscheinungstermin: 15. November 2007
Spieldauer: 137 Minuten
Preis: ca. 20,99 Euro