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Codex Manesse PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Heike Geilen, am 10-12-2007 17:00
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Codex ManesseKommet, höret und singet mit
Die Autorin Birge Tetzner lädt zu einer spannenden Reise in die Welt des Minnesangs ein

Mit großem Erfolg ging im Jahr 2006 die Landesausstellung "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nationen. Von Otto dem Großen bis zum Ausgang des Mittelalters" in Magdeburg zu Ende. Magdeburg, selbst ehemalige mittelalterliche Metropole und Stadt Ottos des Großen, schien geradezu prädestiniert dafür. Kunstwerke aus Europa und Übersee verwandelten das Städtische Museum in eine Schatzkammer auf Zeit.

Ein Glanzpunkt der Ausstellung war die Präsentation der berühmten großen Heidelberger Liederhandschrift, der sogenannten Codex Manesse, aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie zählt zweifelsohne zu den prominentesten und wertvollsten Mittelalterhandschriften und enthält unter anderem prachtvolle Darstellungen des Minnesängers Walther von der Vogelweide, des Tannhäusers und - man höre und staune - sogar herrschaftliches Blut. So ist zum Beispiel Kaiser Heinrich VI. und auch sein Urenkel Konradin, der letzte Staufer mit (vermutlich) eigenen Minneliedern vertreten.

Der Ursprung des Buches wird den Züricher Bürgern Rüdiger und Johannes Manesse zugeschrieben, die die Vollendung ihres Werkes jedoch nicht mehr erlebten. Beide starben, bevor die Sammlung fertig war.

Von dieser einmaligen Gelegenheit, den Codex Manesse in einer großen Ausstellung zu sehen, ließ sich auch die Autorin Birge Tetzner inspirieren. Zusammen mit anderen Wissenschaftlern, Autoren, professionellen Sprechern, Sounddesignern und den Musikern der Capella Antiqua Bambergensis (CAB) entwarf sie ein Hörspiel, das auf spannende Weise die Entstehungsgeschichte dieses "schönsten Buches des Mittelalters", welches als Ursprung aller mittelalterlichen Musik gilt, erzählt und zur Reise in die Welt des Minnesangs einlädt. Die Zuhörer "treffen" viele Stars der mittelalterlichen Musikszene, neben den bereits erwähnten Walther von der Vogelweide und Tannhäuser, auch Otto von Botenlauben und Ulrich von Lichtenstein.

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Das Hörbuch, welches auf der ersten CD zu erleben ist, beginnt mit dem vermeintlichen Ursprungsgedanken dieser Sammlung: Wie kamen die Manesses überhaupt auf den Gedanken, alle damals bekannten Lieder in einer einzigen Sammlung zu bündeln? Und wie brachten sie ihr Werk voran? Unterhaltsam und informativ, wunderbar inszeniert und arrangiert setzt Birge Tetzner ihre Vermutungen in Szene. Mittelalterliche Klänge und durch die Bamberger Mittelaltergruppe professionell intonierte Lieder sind verbindende Elemente.

Als Erzähler und tragende Rolle dieses Hörspiels fungiert der wohl bekannteste deutsche Synchronsprecher und Grimme-Preisträger Christian Brückner - die deutsche Stimme Robert de Niros. Er ist mit seiner prägnanten Stimme geradezu prädestiniert für dieses Hörspiel. Jan Burdinski, Wolfgang Grindemann und Harry Kühn stehen ihm ebenso kompetent zur Seite.

Dem Hörspiel gelingt auf unnachahmliche Weise ein harmonischer Zeitensprung in eine oft allzu düster und brutal dargestellte Epoche. Eine auditive Zeitreise par excellence.

Die zweite CD enthält eine von der CAB zusammengestellte Liedersammlung und verschiedene Klangbeispiele, die die mittelalterliche Musizierpraxis verdeutlichen könnten. Dabei weicht die Capella teilweise von der Codex Manesse ab. Die dreizehn Stücke decken eine geschichtlich größere Bandbreite - von 900 bis zur Zeit vor 1500 - ab. Die Musiker setzen dabei ausschließlich Instrumente ein, wie sie im Mittelalter üblich waren und auch in den Illustrationen der Manessischen Liederhandschrift belegt sind. Einziger Wermutstropfen: es wird nicht sehr viel gesungen. Etwas mehr Sangeskunst wäre das sogenannte i-Tüpfelchen der ansonsten hervorragenden Produktion gewesen.

Drittes Schmankerl ist die Multimediadatei auf der zweiten CD. Sie enthält fein arrangierte Hintergrundbeiträge rund um den Codex, die Musik und die Beteiligten und ergänzt das ohnehin schon sehr umfangreiche Booklet zum Album.

Fazit: Die Berliner Kunsthistorikerin Birge Tetzner schafft gemeinsam mit der Bamberger Mittelaltergruppe "Capella Antiqua Bambergensis", der sonoren Erzählstimme von Christian Brückner und den Klängen von mittelalterlichen Sackpfeifen, Trommeln, Schalmeien und Fiedeln eine atemberaubende Verbindung, um Wissenswertes zum Liedgut des Mittelalters zu vermitteln; zudem in einer überaus ansprechenden Gestaltung: lehrreich und unterhaltsam zugleich!

Bibliographische Angaben

Codex Manesse
Musikhörspiel zur Großen Heidelberger Liederhandschrift

Sprecher: Christian Brückner u. a.
CAB Records (September 2006)
2 CD, 18,55 Euro
ISBN 13: 4027031000102

 

 

 

 

 

 


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Letztes Update: 11-12-2007 09:52

Veröffentlicht in : Hörbuch, Sachbuch / Politik
Schlüsselworte : Codex Manesse, Große Heidelberger Liederhandschrift, Walther von der Vogelweide, Mittelalter, Minnesänger, Capella Antiqua Bambergiensis, tetzner
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