Die Wiesbadener Weinwochen sind in vollem Gang, doch eine Leiche stört das fröhliche Treiben. Der Tote ist Moritz Fischer, der gefeierte Entdecker einer lange vergessenen Bauhausvilla. Doch der Mord bleibt nicht ohne Zeugen.
Bis vor nicht allzu langer Zeit war Norma Tann Kriminalhauptkommissarin, doch jetzt verdient sie als private Ermittlerin ihre Brötchen. Das Leben jenseits der Routine bekommt ihr gut, und auch im friedlichen Wiesbaden gibt es immer genug Verbrechen, die ihre Kassen füllen könnten. Und nebenbei gibt es da noch die Sorgen um ihren Noch-Ehemann Arthur. Der ist nach einem nächtlichen Streit auf der Landstraße aus dem Auto gestiegen und seither verschwunden.
Doch diese Probleme treten in den Hintergrund, als Moritz Fischer während der Rheingauer Wochen vor ihren Augen erschossen wird. Der Entdecker einer lange verkannten und vergessenen Bauhausvilla hatte sich um die Wiesbadener Kunst- und Architekturszene sehr verdient gemacht, nun ist er tot. Sie findet auch einen Verdächtigen. Und den findet sie überaus sympathisch.
Anzeige Die schillernde Kunstszene ist seit jeher ein beliebter Schauplatz für Intrigen und Edelmorde, egal vor welcher Kulisse. Kombiniert mit der malerischen Umrahmung eines lokalen Weinfestes hat sich Autorin Susanne Kronenberg den idealen Schauplatz für einen Krimi mit Lokalkolorit und Atmosphäre ausgesucht.
In dieser Szenerie bewegt sich Ermittlerin Norma Tann in den klassischen Spannungsfeldern, die eine gute Geschichte ausmachen. Sie ist die Frau zwischen Mord und Wahrheit, sie ist die Frau zwischen Pflicht und Sympathie, sie ist auch die Frau zwischen zwei Männern. Die beiden Männer, die auf Norma Einfluss nehmen, sind Arthur, für den sie sich verantwortlich fühlt, und „Tiri“, der Mann, den sie im Zuge ihrer Ermittlungen kennen lernt, und den sie bis zum Ende des Romans nicht durchschaut.
Neben der gut eingefangenen Atmosphäre ist es diese Figur, aus der Weinrache einen Großteil seiner Spannung bezieht. Es gelingt der Autorin, ihrer Heldin einen männlichen Protagonisten an die Seite zu stellen, der den Leser gleichzeitig interessiert und beschäftigt. Anders als der eher klischeehafte „Noch-Ehemann“, den Norma – natürlich – loswerden möchte, ist Tiri ein runder Charakter, der lebensecht und gleichzeitig ein wenig zwielichtig wirkt.
Mit dieser Figurenkonstellation wagt sich der Leser gerne in die mörderischen Weinwochen und folgt der Ermittlerin bis zur Aufklärung des Verbrechens. Auch wenn der Plot sich nicht in wirklich außergewöhnlichen Bahnen bewegt, so ist er doch spannend und wendungsreich genug, um die Aufmerksamkeit zu fesseln und dem Leser einen vergnüglichen Ausflug ins mörderische Wiesbaden zu bescheren.
Fazit: Wein, Villen und Blut – eine gelungene Wiesbadener Mischung