Irgendwann ist es soweit. Die Zeit des Stillens und der Breikost aus dem Glas ist vorbei und das Kind will mit am Tisch sitzen und selber essen. Jetzt gilt es, nicht Opfer der Werbung zu werden. Denn die sogenannten gesunden Kinderlebensmittel und auch andere Verlockungen der Lebensmittelindustrie versprechen viel mehr, als sie halten können. Was den Gesundheitswert betrifft, sind sie oft Mogelpackungen.
Als Erwachsener weiß man ganz genau, dass es verschiedenen Esstypen gibt. Man selbst hat auch Vorlieben und Abneigungen. Wenn ein Kind absolut kein Gemüse mag, am Fisch herummäkelt, Weißbrot statt Vollkornbrot bevorzugt, im Mittagessen herumstochert und viel lieber zwischendurch reichlich Süßigkeiten isst, wird es natürlich schwierig. Aber egal ob ein Kind schon erste Anzeichen von Übergewicht zeigt oder Eltern eine Mangelernährung fürchten, weil das Kind so dünn ist, die Autorin des vorliegenden Buches weiß Rat.
Anzeige Die Autorin unterteilt die Kinderernährung in sechs Phasen, vom Ungeborenen bis etwa ab 14 Jahre. Die Ernährungsberatung im Buch dreht sich vor allem um Phase 4, das sind Kinder ab dem 11. bis zum 18. Lebensmonat und Phase 5, das sind Kinder ab dem 18. Lebensmonat bis zum 4. Lebensjahr. Alles Wichtige, was die Ernährung der Kinder dieser Altersgruppen betrifft, wird ausführlich besprochen. Eltern erfahren, wie viel ein Kind in etwa wiegen und wie viele Kalorien aus welchen Nahrungsmitteln ein Kind zu sich nehmen sollte. Es gibt Wochenpläne, die anschaulich zeigen, was ein Kind an Nahrung braucht. Sogar ein kleines Lexikon mit Begriffen von Acrylamid bis Zutatenliste ist vorhanden.
Diesen sehr informativen Kapiteln des Buches folgt der Rezeptteil. Auch hier gibt es zunächst eine Einführung in die Küchenpraxis. Das ist wichtig für die Eltern, die bisher eher selten gekocht haben. Hier werden zum Beispiel alle Garmethoden erklärt und man erfährt, wie lange bestimmte Lebensmittel haltbar sind.
Die Rezepte sprechen an. Sie sind sehr abwechslungsreich. Die Autorin übertreibt es aber nicht mit der gesunden Ernährung. Oft sieht man altbekannte Rezepte, die ein wenig abgewandelt an Gesundheitswert zulegen. Die Milchbrötchen werden zum Beispiel mit Weizenvollkornmehl gebacken. Die Schoko-Nuss-Creme enthält nicht so viel Fett und Zucker wie gekaufte. Beides schmeckt lecker zum Frühstück. Zum Mittag wird viel mit frischem Gemüse gekocht. Die Bunte Reispfanne zum Mittagessen hat leckere Zutaten wie Vollkornreis, Erbsen, Mais und Olivenöl. Kindern denen das Gemüse hier zu offensichtlich ist, bekommen es in einer Quiche verpackt oder püriert in der Gemüse-Creme- Suppe. Ketchup, das industriell hergestellt viel zu viel Zucker enthält, wird selbstgemacht. Die Pommes dazu werden fettarm im Backofen zubereitet. Zum Nachtisch gibt es Grießpudding mit Weizenvollkorngrieß. Da weiß man, was drin ist. Zum Knabbern gibt es zum Beispiel Dinkelstangen mit Sesam bestreut. Sehr lecker sind auch die ballaststoffreichen Haferkekse. (Das Rezept habe ich ausprobiert. Völlig unkompliziert lassen sich diese herstellen und sind sehr lecker.)
Fazit: Das Buch ist wirklich eine große Hilfe. Probleme der Eltern mit dem Essverhalten ihrer Kinder werden von der Autorin sehr ernst genommen. Diese Art Ernährungsberatung kommt gut an. Mit der Umsetzung kann man gleich beginnen, denn 130 gesunde und auch für Anfänger leicht nachvollziehbare Rezepte sind mit im handlichen Buch.
Edith Gätjen Essensspaß für kleine Kinder So schmeckt es auch Gemüsemuffeln und Schleckermäulern TRIAS Verlag, 2007
160 Seiten, broschiert, 14,95 Euro
ISBN-10: 3830433417
ISBN-13: 978-3830433415