Kitsch: Grappa und die Nackenbeißer Lilo von Berghausen, die Königin des Kitschromans steht nicht für Interviews zur Verfügung. Kein Wunder – die Dame ist tot. Reporterin Grappa glaubt trotz Abschiedsbrief an Mord. Und auch die Polizei ist von dieser Möglichkeit angetan und verhaftet prompt Grappas Chef.
Eigentlich sollte Maria Grappa, rothaarige Reporterin und Dauersingle, nur ein Interview mit Lilo von Berghausen, führen, aber das Haus der ungekrönten Königin des Liebesromans ist verlassen. Doch Grappa wäre nicht Grappa, wenn sich ihre Spürnase von ein paar verschlossenen Türen aufhalten ließe. Tatsächlich findet sie wenig später eine Tote, die auch brav einen Abschiedsbrief hinterlassen hat.
Dass Grappa nicht von Selbstmord überzeugt ist, hat zunächst fatale Folgen, denn ihre Hartnäckigkeit fördert die Tatsache zutage, dass ihr Chef die Dame sehr wohl kannte und nun auch noch nach einer Testamentsänderung als ihr Haupterbe eingesetzt worden ist. Die Verhaftung erfolgt umgehend. Grappa bleibt nichts anderes übrig, als sich nach anderen Verdächtigen umzuschauen. Dabei trifft sie auf einen dubiosen Magier, der sich bis vor nicht allzu langer Zeit auf Lilos Millionenvermögen freuen durfte.
Anzeige Wer schon einmal einen Grappa-Roman in der Hand gehabt hat, weiß, was ihn erwartet. Die schnoddrige Schnauze der Protagonistin, die gleichzeitig als Ich-Erzählerin fungiert, ein griffiger Kriminalfall mit alten und neuen Gesichtern und eine zufriedenstellende Lösung aller Sorgen und Probleme. Die Frage, warum man trotz bekanntem Schema zum Buch greifen sollte, ist leicht beantwortet: Wer Grappa mag, wird auch diesen Band schätzen, wer Grappa nicht kennt, hat hier eine gute Gelegenheit, sich ein Bild zu machen.
Mögen oder nicht mögen steht und fällt in dieser Serie noch mehr als bei anderen mit der Heldin, denn diese ist es, die Gabriella Wollenhaupts Büchern ihre besondere Note verleiht. Während die Kriminalfälle ein wenig den Aufbau besserer Vorabendkrimis haben, verfügt Grappa über einen Charakter, der zwar so nicht einzigartig, in seiner sprachlichen Ausfertigung jedoch eigenständig ist.
Grappa gehört dem Typ Heldin an, die Männer zwar nicht ablehnt, ihre Freiheit aber jederzeit höher schätzt. Sie ist kritisch, mutig und lässt sich weder vom Chef oder von der Polizei etwas sagen. Amüsant wird dieses Klischeebild der starken Frau jedoch durch die lakonisch-schnoddrige Sprache, die verwandt wird, um Freund, Feind und Fall zu beschreiben. Das ist zwar vielleicht keine große Literatur, aber für einen amüsanten Lesenachmittag ist Grappa bestens geeignet.