Es ist Trüffelzeit im Piemont und der schwere Geruch von weißen Trüffeln liegt in der Luft. Doch es ist der Geruch von Blut, der Hobbydetektiv und Weinkenner Hippolyt Hermanus bewegt, in seine alterschwache Giulietta zu steigen und zum Schauplatz des Verbrechens zu eilen. Dort findet er nicht nur diverse Tote sondern auch eine überaus anziehende Erbin, die dringend seine Hilfe braucht.
Hippolyt Hermanus will nur eins, seine Ruhe, ein gutes Glas Wein, und vor allem will er keine E-Mails beantworten, die seine Hilfe einfordern. Also ignoriert er die wiederholten Schreiben des ihm flüchtig bekannten Feinschmeckers Hubertus Rettenstein, in denen er um Hilfe bittet. Als Rettenstein wenig später von einem Weinregal erschlagen aufgefunden wird, plagt Hipp das schlechte Gewissen.
Vor Ort kann er zwar dem Opfer nicht mehr helfen, dafür aber macht er die Bekanntschaft von Rettensteins unehelicher Tochter Gina. Die Mischung aus „dringend tatverdächtig“ und „sexuell anziehend“ veranlasst Hipp, sich kurzfristig außerhalb der Legalität zu begeben und aktive Fluchthilfe zu leisten. Doch während die beiden zusammen schlemmen und Gedächtnislücken schließen, geht das Morden munter weiter, denn offensichtlich sind Rettensteins überlebende Geschäftspartner auf den Geschmack gekommen.
Anzeige Neben den deutschen Regionalkrimis, die den Markt derzeit geradezu sintflutartig überschwemmen, ist Italien nach wie vor ein beliebter Schauplatz für Krimis, die das gute Leben feiern. So ist auch Held Hippolyt „Hipp“ Hermanus eine Figur, die irgendwo zwischen Miss Marple und Commissario Montalbano angesiedelt zu sein scheint. Er ist schrullig, liebenswert, altmodisch und liebt nichts so sehr wie die Genüsse des Lebens. Auch die Liebesgeschichte, die in Form von Sabrina und Gina immer wieder an Hipp herantritt ist erfreulich leicht und ironisch gestaltet.
Zwar kann man diesen tödlichen Trüffeln bei aller Ironie und Leichtigkeit in Ton und Intention eine gewisse Langsamkeit im Anlauf nicht absprechen, doch darüber tröstet das liebevoll ausgestaltete Ambiente hinweg, das auch den ungeduldigen Leser zum Verweilen einlädt. Auch der Plot sorgt im Verlauf des Romans für genügend Verwicklungen und Charakterschärfe, dass sogar anspruchsvollste Krimigenießer auf ihre Kosten kommen und die auf der Hand liegenden Vergleiche mit anderen – ähnlich angelegten - Romanen goutieren können.
Nach Vino Criminale ist Tödlicher Tartufo der neue Fall des Feinschmeckers, Genießers und Hobbydetektivs Hippolyt Hermanus. Es ist ein fröhliches Spiel mit Lesererwartungen und Konventionen, bei dem sich kriminalistische Genießer mit Trüffelsuchern, eifersüchtigen Beinahe-Freundinnen und freizügigen Erbinnen die Klinke ... Verzeihung ... die Gabel in die Hand geben. Und wer vom Lesen hungrig gemacht worden ist, der kann sich gleich auf die Rezepte im Anhang stürzen. Wenn er gerade Trüffeln zur Hand hat...
Fazit: Liebenswerter Krimi für Genießer und Italienfans.