Mike hat keinen Bock auf Neonazis, also auch nicht auf seinen Uropa Karl. Doch als bei dessen Geburtstagsfeier ein Anschlag verübt wird, der zwei Menschenleben kostet, wird nicht nur der halbwüchsige Junge gezwungen, sich mit der Vergangenheit von Familie Rohde näher auseinanderzusetzen.
Ein festlicher Anlass, nämlich Karl Rohdes runder Geburtstag, wird zum Alptraum, als ein Unbekannter eine Brandbombe entzündet, die mehrere Familienmitglieder schwer verletzt, zwei aber das Leben kostet, eine unbekannte Frau und einen Polizeibeamten. Sein Tod ist es hauptsächlich, der Kommissar Erik Kemper auf den Plan ruft. Doch kaum ist es ihm gelungen, das Vertrauen von Mike, Karls Urenkel, zu gewinnen, zwingen Kompetenzquerelen Kemper, sich mit der mehr als feindseligen Kollegin Thiele auseinanderzusetzen. Zusammen mit ihr und der Psychologin Anne Wahlberg dringt er tiefer in die Familiengeschichte der Rohdes ein.
Doch der Anschlag auf Rohde bleibt nicht das einzige Verbrechen. Wenig später wird in Rostock ein russischstämmiger Jude ertränkt aufgefunden. Ein zwielichtiger Journalist, der sich eine große Story erhofft, folgt ihm kurz darauf ins Jenseits. Bald steht für die Ermittler außer Frage, dass die Morde irgendwie zusammenhängen müssen, doch der Schlüssel entzieht sich ihnen lange. Endlich liefert Mike einen wichtigen Hinweis. In langen Gesprächen, die er mit seinem verletzten Urgroßvater geführt hat, hat dieser ihm anvertraut, er sei schlimmer als ein Nazi gewesen – nämlich ein treuloser Feigling.
Anzeige Im Spannungsfeld von Rostock und Usedom entfaltet sich Henrike Heilands dritter Roman um das Ermittlerduo Kemper und Wahlberg. Sie beginnt mit einem Rückblick. Eine junge Frau verabschiedet sich im Jahre 1936 von ihrem Geliebten, sie verabreden, sich in Berlin wiederzusehen. Die Frau glaubt daran. Auch Jahrzehnte später, als sie ihrem Sohn immer noch vorlügt, dass sein Vater nicht tot, sondern verschwunden sei. Sie weiß ja, eines Tages wird sie ihm den Erzeuger in Fleisch und Blut vorstellen können.
Viel von seiner Spannung bezieht der Roman aus dem langsamen Zusammenführen von diesem Handlungsstrang und den Morden, mit denen Blutsünde in krimitypischer Manier beginnt. Überhaupt gelingt der Autorin ein gelungener Einstieg in Form des jungen linksliberalen Punks Mike, der in glaubwürdiger Jugendsprache in die Geschichte einführt. Leider verschwindet er danach zu lange aus der Geschichte, um später, dann allerdings in tragender Rolle, wieder aufzutauchen.
Die andere Figur, auf die neben den Protagonisten hinzuweisen wäre, ist „die Thiele“, die so wunderbar jedes Klischee einer zwischen Unsicherheit und Machtgeilheit hin- und hergerissenen Kommissarin bedient, dass es schon wieder Spaß macht, sie an allen Ecken und Enden auflaufen zu sehen. Ein wenig stereotyp ist das schon, ähnlich wie die meisten der Charaktere, dennoch wirkt die Mischung alles in allem liebens- und lesenswert. Zusammen mit dem gut konstruierten Plot ist Blutsünde einer der besseren der derzeit so beliebten „Regionalkrimis“.