Mario Vargas Llosa ist einer der großen Sterne am literarischen Himmel Lateinamerikas und in einem Atemzug mit Namen wie Julio Cortázar und Gabriel García Márquez zu nennen. „Das böse Mädchen“ ist sein bisher neuestes Werk, eine Geschichte über die verzweifelte und fatale Liebe eines Mannes zu einer Frau, die er selbst als „Das böse Mädchen“ bezeichnet.
Alles beginnt ganz harmlos in Peru, wo Ricardo Somocurcio den schönsten Sommer seiner Kindheit erlebt. Maßgeblich dafür verantwortlich sind die die beiden Schwestern Lily und Lucy. Diese scheinen aus Chile neu angekommen zu sein und „mit ihrer aufsehenerregenden Erscheinung und unverwechselbaren, schnellen Redeweise, bei der sie die Endsilben der Wörter verschluckten und die Sätze mit einem gehauchten Ausruf beendeten, der wie »pff« klang, uns Jungen aus Miraflores, die wir gerade die kurzen gegen die langen Hosen eingetauscht hatten, gehörig den Kopf verdrehten.“ Besonders Lily hat es dem jungen Ricardo angetan. Er unternimmt alles, um endlich mit ihr zusammen zu sein.
Doch dann entpuppen sich die beiden Chileninnen als einfache Peruanerinnen aus dem Armenviertel, woraufhin sie spurlos verschwinden. Ricardo, der seinen Traum von der Arbeit in Paris verwirklicht und Lily nie wirklich vergessen konnte, trifft dort erneut auf sie, die nun Genossin Arnette heißt, da sie über Paris nach Kuba gebracht werden soll, um eine Ausbildung zur Guerrillera für die geplante Revolution in Peru zu erhalten. Doch schon hier erweist sie sich als an der Revolution desinteressiert, sucht viel mehr nach Reichtum und Macht. Aus Ricardos erneutem Versuch, das böse Mädchen rumzukriegen, wird lediglich eine Affäre, denn aus Kuba kommt sie als die verheiratete Frau eines reichen französischen Diplomaten zurück. Ihr neuer Name ist nun Madame Arnoux. Dennoch läuft die Affäre nebenher weiter, von der besonders ihr Ehemann nichts erfahren darf. Dann verschwindet das böse Mädchen jedoch urplötzlich, erneut spurlos, und hinterlässt Ricardo und ihren Ehemann, dem sie nebenbei noch das komplette Konto geräumt hat.
Anzeige Doch Ricardo bleibt weiterhin besessen von dem Wunsch, sie zu besitzen. Erst durch einen Zufall entdeckt er bei einem Freund in London auf einem Bild eine Frau, die seine Hoffnung und Verzweiflung erneut aufkeimen lässt. Tatsächlich ist sie es, die nun den Namen Mrs. Richardson trägt. Er begegnet ihr und das Spiel beginnt erneut…
Ein ums andere Mal treffen die Besessenheit Ricardos und das Spiel des bösen Mädchens an immer anderen Orten unter stets gesteigerten Umständen aufeinander. Fortwährend zieht sie es in neue Abenteuer, er folgt seinem Drang. Doch wie weit kann die Liebe in dieser fatalen Geschichte gehen? Kann es ein Happy End geben?
Nebenbei thematisiert Vargas Llosa auch die stets präsente Geschichte, von der Diktatur in Peru über die Hippies bis hin zur aufkommenden, unbekannten Krankheit namens AIDS sowie die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit und Reaktion auf diese Gegebenheiten. Ein ganz hervorragendes Werk ist dem Autor mit „Das böse Mädchen“ gelungen, ein absoluter Lesetipp, mindestens so spannend und fesselnd wie ein guter Krimi.
Mario Vargas Llosa Das böse Mädchen
Originaltitel: Travesuras de la niña mala Aus dem Spanischen von Elke Wehr
Suhrkamp, 2006
400 Seiten, gebunden, 24,80 Euro
ISBN-10: 3518418327
ISBN-13: 978-3518418321