Für jeden ist - unbestritten - der eigene Geburtstag etwas Besonderes. An diesem Tag gehen Wünsche in Erfüllung, es gibt vielleicht das Lieblingsessen, auf jeden Fall aber die berühmte Geburtstagstorte. Freunde kommen zu Besuch, es wird gefeiert. Jedes Jahr die gleich Prozedur. Doch kaum jemand macht sich Gedanken darüber, warum wir eigentlich jedes Jahr unseren Geburtstag feiern.
Dies holt dieses kleine Büchlein aus der erfolgreichen Reihe Die Kinder-Uni nach.
Googelt man einmal unter dem Namen Kindergeburtstagsfeier nach, so erhält man tausende Treffer. Von außergewöhnlich, spektakulär bis zum natürlichen, aber doch besonderen Erlebnis wird so ziemlich alles angeboten. Da werden die Kids zu einer Tour durch die Bavaria-Filmstadt eingeladen, eine komplett ausgerichtete "Kiddy-Party" ist genauso dabei wie ein "Zirkus-Tag" im Zoo oder ein Event im Naturpark oder im Erlebnisbad.
Warum nicht einmal eine kleine "Erkundungstour" - vielleicht in Form eines Quiz - wie es zu diesem Brauch kam, ob in anderen Ländern anders gefeiert wird bzw. ob der Geburtstag überhaupt überall auf der Erde gefeiert wird.
Dabei wird so einiges Überraschendes zu Tage gefördert werden.
Zum Beispiel ist der Brauch des Geburtstagsfeierns noch gar nicht so alt. Diese Tradition hat sich erst um 1500, nach dem Ende des Mittelalters ausgebreitet und ist eine rein europäische, ja deutsche "Erfindung". Zuvor gab es im katholisch geprägten Deutschland nur den - auch heute noch gefeierten - Namenstag. "Die Katholische Kirche fand es als 'sündhaft', sich selbst wichtiger zu nehmen als die Heiligen, deren Leben man nacheifern wollte", berichten die Autoren Katja Herzke und Friedemann Schmoll.
Erst mit Luthers Reform und der Siegeszug des Protestantentums wurde dieses neue Ritual eingeführt. Man wollte sich auch durch solch einfache Dinge von den Katholiken unterscheiden.
Doch erst im 19. Jahrhundert breitete sich der Brauch, vor allem in den europäischen Städten, wirklich aus, um im 20. Jahrhundert "flächendeckend" übernommen zu werden. Was zuvor nur ein Fest der Reichen und Privilegierten war, wurde nun ein "Feiertag" für alle.
Im Zuge der Globalisierung haben Geburtstagsfeiern dann beinahe auf dem ganzen Erdball Einzug gehalten.
Anzeige
Die beiden Autoren nehmen in ihrem kleinen Buch die Kinder an die Hand und machen mit ihnen einen Streifzug durch die "Welt des Geburtstages". Man reist zurück bis in die Römische Republik, nimmt an den blutigen Kämpfen im Kolosseum zu Ehren des Geburtstages des jeweiligen Kaisers teil. Man erfährt, warum früher Geschenke angebunden wurden, warum manchmal eine Kaffeebohne im Geburtstagskuchen zu finden ist und das Kinder früher ihren Eltern zum Geburtstag ein Gedicht schreiben mussten. Und wer hätte gedacht, dass aus folgenden scheußlichen Zeilen, einmal ein berühmter Dichter werden würde:
"Lieber Vater, Du bist kein Kater. Du bist ein Mann, der nichts Fettes vertragen kann." Dies war der Beitrag des zehnjährigen Theodor Fontane zum Geburtstag seines Vaters.
Einen ausführlichen Teil nimmt natürlich der Brauch des Schenkens ein. Es geht um nutzlose, kriminelle, wertvolle und praktische Geschenke, die ihren Eigentümer wechseln.
Und es geht ums Älterwerden, dass sich zu feiern doch eigentlich nicht lohnt.
Also was feiern wir überhaupt?
Katja Herzke und Friedemann Schmoll stellen am Ende dieses unterhaltsamen und wissenswerten Büchleins fest, dass der Geburtstag "also in jeder Hinsicht ein Fest [ist], in dem vor allem die Freude am Leben zum Ausdruck kommt. Und dagegen können eigentlich weder bestimmte Religionen noch Weltanschauungen etwas haben."
Nun denn: Lasst uns feiern!
Fazit: Katja Herzke und Friedemann Schmoll gehen in diesem wissenswerten und kompetenten Buch der Frage nach Warum feiern wir Geburtstag?. Ein verständlicher und vergnüglicher kleiner Band der Reihe Die Kinder-Uni, hübsch illustriert von Bernd Wiedemann, der auf keinem Gabentisch der Kids fehlen sollte.
Katja Herzke, Friedemann Schmoll
Warum feiern wir Geburtstag?
Ein Kinder-Uni Buch DVA, München (Oktober 2007)
64 Seiten, Gebunden, 9,95 Euro
ISBN 10: 3421043191
ISBN 13: 978-3-421-04319-1