Tom hätte viel lieber wie sein Bruder die Masern, müsste er dafür nicht die Ferien bei Onkel Alan und Tante Gwen verbringen. Doch seine Abneigung ändert sich schnell, als er in dem Haus, in dem Onkel und Tante wohnen, eine Entdeckung macht. Die Standuhr der schrulligen alten Vermieterin Mrs Bartholomew schlägt jede Nacht dreizehn Mal. Was das wohl bedeuten mag?
Die englische Autorin Philippa Pearce hat mit Als die Uhr dreizehn schlug (im Original: "Tom's midnight garden") ein Kinderbuch geschrieben, das das Zeug zum Klassiker hat. Bereits 1958 erschienen, war es in Deutschland jedoch jahrelang nicht erhältlich. Höchste Zeit für eine Neuausgabe! Nachdem diese endlich 1999 der Dressler Verlag übernommen hat, liegt jetzt auch eine Taschenbuch-Ausgabe vor. Beste Voraussetzungen also, dass der "Geheimtipp" bald in zahlreichen Kinderzimmern Einzug hält.
Zu wünschen wäre es. Die Geschichte um Tom ist nämlich nicht nur fesselnd bis zur letzten Seite. Sie spielt auch gekonnt mit der Phantasie des Lesers. Die Grenzen von Raum und Zeit verschwimmen, die Realitäten verwirren sich, und bald ist der Leser genau wie der Kinderbuch-Held Tom von den Ereignissen rundum verzaubert. Denn wenn die alte Standuhr die dreizehnte Stunde schlägt, öffnet sich für Tom die Tür zu einer traumhaften Gartenwelt. Wo sich sonst nur ein kleiner, schmutziger Hinterhof befindet, stehen jetzt große Bäume zum Klettern, blühen Hyazinthen in Halbmondbeeten, gibt es Gartenhäuschen, weite Wiesen und sogar einen Fluss jenseits der Gartenmauer. Und es gibt das Mädchen Hatty, das offenbar als einzige Bewohnerin dieser anderen - früheren - Welt den Besucher Tom sehen kann. Tom besucht den geheimnisvollen Garten nun jede Nacht und freundet sich mit Hatty an. Zusammen klettern sie auf Bäume, bauen ein Baumhaus, spielen Verstecken und laufen im Winter zusammen auf dem Eis. Tom erlebt den Garten in den unterschiedlichsten Jahreszeiten, denn offenbar hat die Zeit dort einen anderen Rhythmus.
Wie aber kann das sein? Und was hat der seltsame Engel auf dem Zifferblatt der Standuhr mit dem Rätsel der dreizehnten Stunde zu tun? Immer mehr Fragen stellen sich Tom und mit ihm dem Leser. Die Autorin versteht es dabei, mit immer neuen Wendungen die Spannung zu halten. Und auch das Ende der Geschichte ist einfallsreich. Dass nicht alle Geheimnisse der Zeit gelöst werden, ist, angesichts der Tatsache, dass sich darüber schon Generationen von Philosophen ihre Köpfe zerbrochen haben, wahrlich verzeihlich. Schließlich geht es in diesem Buch um die Zeit der Kindheit, in der bekanntlich nichts unmöglich ist.
Altersempfehlung: ab acht Jahren
Über die Autorin:
Philippa Pearce wurde 1920 in Great Shelford in England geboren. Nach ihrem Studium der englischen Literatur in Cambridge arbeitete sie unter anderem als Redakteurin bei der BBC und bei der Oxford University Press. Anfang der 50er-Jahre begann sie, Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, für die sie in England mehrfach ausgezeichnet wurde.
Redakteurin:
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Philippa Pearce Als die Uhr dreizehn schlug Deutsch von Klaus Fritz 224 Seiten, omnibus Taschenbuch/C. Bertelsmann Jugendbuch Verlag 6,90 Euro ISBN 3-570-21060-X