Wir befinden uns im Jahr 2006, dem Jahr, in dem Deutschland Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft ist. Ganz Fußballdeutschland fiebert diesem Ereignis entgegen und heißt "die Welt zu Gast bei Freunden" willkommen.
Doch nicht alle sind gleichermaßen infiziert vom Fußball-Wahnsinn, sprechen sich sogar deutlich gegen den Sport aus, der ganze Massen verdummen lässt. Der pensionierte Philosoph Dr. Hannes Boncourt aus Domsta gestattet dem Leser, mit ihm durch das Fußball-geprägte Jahr 2006 zu schreiten.
Hannes Boncourt erscheint als verschrobener Greis, der mit sich selbst uneins ist. In seiner Brust hausen sowohl Hannes als auch Herr Boncourt, die ihn beständig auf Trab halten und ihm immer wieder neue Gewissenskonflikte auferlegen.
Anzeige Seine Bücher hat der alte Kauz bereits aus seinem Haus ins extra dafür angemietete Nachbarhaus abtransportieren lassen, die Post wird nicht geöffnet, sondern nur die Kellertreppe hinabgeschoben. Mit seiner Lebensweise hat sich auch seine Familie von dem Chaoten getrennt, so dass sein einziger Kontakt zur Außenwelt über seine Untermieter, einen Theologiestudenten und eine BWL-Studentin erfolgt.
Doch trotz seines Flucht-Dranges gelingt es ihm nicht, der Fußball-WM zu entgehen. Alte Erinnerungen werden in ihm wach an die Zeit, als das Trümmerkind Hannes in der Nachkriegszeit als Ersatzspieler des „SFC (Straßenfußballclub) 1945 Schrottplatz Ost“ fungiert. Doch ist mit dieser Erinnerung auch der Gedanke an eine Katastrophe während dieser Zeit verbunden, die auf den Namen Kreidweiss hört.
Sprachlich erscheint der Roman sehr aufwendige und mit Liebe zum literarischen Detail verfasst, doch können die sprachlichen Schmankerl nicht übertünchen, dass der Roman inhaltlich sehr große Schwächen aufweist. Die Geschichte mit Kreidweis wird nur am Rande erwähnt und erscheint einem nicht weiter schrecklich, vielleicht auch, weil Boncourt als Ich-Erzähler die nötigen Emotionen missen lässt. Lange plänkelt das Buch nur vor sich hin. Doch schließlich wendet sich die dahinplänkelnde Geschichte noch kurz vor Ende. Die Geschichte mit Kreidweiss wird im letzten Kapitel des Buches doch noch näher thematisiert, schlägt aber dermaßen ins Unglaubwürdige um, dass der Leser sich über seine vorher geweckten Erwartungen nur noch ärgert.
Alles in allem hat Winfried Croon es nicht geschafft das Gespenst der Nachkriegskindheit sinnvoll mit der heutigen Zeit zu verbinden. Es gibt zu wenig Handlung und kaum Einblicke in die wirklichen Emotionen des Protagonisten.