Können Sie noch alle Vornamen von Pippi Langstrumpf aufsagen?
Wenn nicht, dann ist jetzt die Gelegenheit sich wieder einmal mit den Werken der bekanntesten Kinderbuchautorin des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen. Am 14. November wäre die Mutter von Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach und all den anderen Figuren nämlich 100 Jahre alt geworden.
Ihre zahlreichen Werke wurden in unzählige Sprachen übersetzt und laut Welt Online hat Astrid Lindgren hierzulande bis heute immer noch mehr Bücher verkauft als Joanne K. Rowling. Und das in Zeiten der so genannten Pottermania!
In ihren Büchern schuf Lindgren mit Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Michel aus Lönneberga und den Kindern aus Bullerbü Gestalten voller Kraft und Fantasie. „Ich finde, dass Phantasie notwendig ist. Und glücklicherweise gibt es ja noch Menschen mit Phantasie“, sagte die bekannte Kinderbuchautorin einmal. Worte, die zu einer Frau passen, die laut zeit.de immer Kind geblieben ist und noch an ihrem 80. Geburtstag vor laufenden Kameras mit einer gleichaltrigen Freundin um die Wette auf einen Baum kletterte. Denn es gäbe schließlich kein Verbot für alte Weiber, auf Bäume zu klettern. Vielleicht ist diese gewisse Aufmüpfigkeit und Unbekümmertheit auch das Geheimnis ihres hohen Alters: Lindgren starb im Januar 2002 im Alter von 94 Jahren. Fast ein bisschen beschämt, aber dann doch kokettierend, gestand sie ihrer Biographin Margareta Strömstedt einmal: „Ich träume und fantasiere jetzt noch mehr vor mich hin, jeden Abend, bevor ich einschlafe, und spiele in kindlichen Geschichten immer dieselbe Hauptrolle“. Fast fände sie es „ja doch ein bisschen peinlich, so kindlich zu sein“. Aber eben nur fast! Gott sei Dank!
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Die stärksten Figuren in Astrid Lindgrens Büchern sind ihre rebellischen Mädchen, wie Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter, die einem so herrlich unangepasst erscheinen. Aber die Kinderbuchautorin thematisiert auch Einsamkeit, Isolation, Tod und Abschied in ihren Werken. Und das nicht nur in „Die Brüder Löwenherz“, „Mio, mein Mio“ und „Karlsson vom Dach“. Anklänge davon findet man auch in der Figur Pippi Langstrumpf. Allen Werken Lindgrens liegt aber eine zentrale Botschaft zugrunde: das uneingeschränkte Engagement für die freie Entfaltung der Kinder, deren eigene Welt und den Respekt vor ihnen. Dies thematisierte sie auch in ihrer Rede „Niemals Gewalt“, die sie bei der Entgegennahme des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978 in der Frankfurter Paulskirche hielt. Die vorab eingereichte Ansprache, in der sie eindringlich zur gewaltfreien Erziehung von Kindern aufrief, wurde interessanterweise erst akzeptiert, nachdem Lindgren mit ihrem Fernbleiben von der Festveranstaltung gedroht hatte.
Astrid Lindgren erhielt im Laufe ihres Autorendaseins zahlreiche Preise, unter anderem 1994 den alternativen Nobelpreis. Den „echten“ Literaturnobelpreis hat sie nie erhalten, obschon sie dafür durchaus im Gespräch war. Sie wäre die erste Kinderbuchautorin gewesen, die ihn erhalten hätte. Dafür wurde sie 1997 zur beliebtesten Schwedin des Jahres gewählt. Ein Anlass, bei dem sich einmal mehr der jugendliche Humor von Lindgren zeigte, als sie sagte: „Ihr verleiht den Preis an eine Person, die uralt, halb blind, halb taub und total verrückt ist. Wir müssen aufpassen, dass sich das nicht herumspricht“.
Die Aktivitäten der Schriftstellerin und Lektorin beschränkten sich allerdings nicht nur auf das Schreiben. Sie mischte sich beispielsweise in den 70er Jahren auch durchaus offensiv in verschiedene politische Diskussionen ein und engagierte sich in den 80er Jahren unter anderem gegen die Nutzung der Atomkraft.
Über ihre Schöpfungen wachte Lindgren stets mit beachtlicher Autorität. Sie achtete stets darauf, dass ihre Ideen nicht für Werbung und Marketing missbraucht wurden, da dies in ihren Augen reine „Abzocke“ war. Ihre Tochter Karin Nyman, die sich anlässlich des runden Geburtstages in Interviews zu Wort meldete, gedenkt das Werk im Sinne ihrer Mutter weiter zu verwalten. Ein Werk, das von vielen immer wieder gerne mit Superlativen bedacht wird. Von Lindgren selbst aber immer gern humorvoll relativiert wurde. Als man ihr einmal sagte, ihr Kinderbuch „Karlsson vom Dach“ sei neben der Bibel das am meisten verbreitete Buch in der Sowjetunion, soll sie vergnügt entgegnet haben, sie hätte gar nicht gewusst, dass die Bibel eine dermaßen hohe Auflage habe. Nun, immerhin hat Astrid Lindgren geschätzte 150 Millionen Exemplare ihrer Werke verkauft.
Und? Wie steht es nun mit den Vornamen von Pippi Langstrumpf? Sind sie Ihnen im Laufe des Artikels wieder eingefallen? Nicht?
Darf ich vorstellen: Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf. Nett, Ihre Bekanntschaft zu machen.