Trilogien, die sich nicht nur im Fantasy-Genre einer großen Beliebtheit erfreuen, haben viele Nachteile. Einer sticht aber bei fast allen Trilogie, die es momentan auf dem Markt gibt besonders hervor: Der zweite Band ist wie der vierte Akt im klassischen Drama immer der langweiligste, in dem der Autor die Luft ein wenig rauslässt und eher unwichtige Dinge passieren. Nur folgt auf den vierten Akt immer recht schnell auch der fünfte, der dann doch meist action- und blutreich zum Ende führt. Vielleicht erwartet den Leser der Trilogie um Special-Agent Aloysius Pendergast, die das US-Amerikanische Autorenteam Douglas Preston / Lincoln Child mit dem Auftaktband "Burn Case" ins Leben gerufen hat, ja auch noch ein toller Abschlussband!
Der zweite Band "Dark secret" jedenfalls ist beinahe katastrophal! Nicht, dass er nicht spannend wäre oder Preston/Child das Schreiben verlernt hätten. Es ist nur alles so klinisch rein, so ganz ohne Ecken und Kanten, ohne Widerhaken und ohne Erkennungswert; ein Roman, entstanden am Reißbrett, der den Lesern das gibt, was er vermeintlich möchte und auf Überraschungen verzichtet. Die Charaktere sind flach, es wird nicht gedacht, die Dialoge sind alles andere als sinnvoll und Komik tritt, wenn, dann nur unfreiwillig auf. Schade, bot doch der Auftaktband einiges an Anknüpfungspunkten, die einen gewissen Reiz und eine Vorfreude aufkommen ließen.
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Doch so lieblos, wie sie im vorliegenden zweiten Band aufgenommen werden, hätte man sich das wirklich sparen können! Einzig verblüffend ist die Eingangsszene, in der ein berühmter Literaturprofessor sehr effektvoll während einer Vorlesung qualvoll zu Tode kommt. Damit folgt eine ganze Reihe von Morden, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass alle Opfer in irgendeiner Weise mit Aloysius Pendergast befreundet, bekannt oder verwandt waren. Doch es kommen nicht nur Menschen um - der totgeglaubte Mr. Pendergast taucht urplötzlich wieder auf und tischt dem Ermittler D'Agosta die hanebüchene Geschichte seines missratenen Bruders Dionysus auf. Diese plane aus Hass und aus Rache an seinem Bruder offenbar das perfekte Verbrechen, das es nun zu verhindern gelte. Doch - und das war dann doch auch zu erwartet: Unklar bleibt, wer hier tatsächlich der Gute, wer der Böse ist - und vor allem, ob es sich bei Aloysius und Dionysus tatsächlich um zwei Personen handelt. Ebenso klischiert wie kopfschüttelerregend sind die Schwänke aus der Familiengeschichte der Pendergasts: So scheint jede Generation mindestens einen Wahnsinnigen und Mörder hervorgebracht zu haben. Und spätestens hier wird klar: Es geht nicht nur um einen konkreten Bruderkonflikt, der natürlich an Kain und Abel oder Karl und Franz Moor erinnert: Es geht um nichts weniger als die Menschheitsgeschichte!
Wie schon erwähnt, das ist alles routiniert geschrieben, die Handlung funktioniert nach Schema F, was, wenn man einfach nur Lesefutter braucht, nicht weiter verwerflich ist und für diejenigen, die sich durch die mehr als 600 Seiten geblättert haben, bleibt die Spannung, wie denn nun dieser Fall im dritten Band ausgehen wird. Und dass der dritte Band besser werden, das darf man - dem Gesetz der Serie folgend - schon ganz sicher annehmen! Allen anderen, die vorher aufgegeben haben, kann man keinen Vorwurf machen, sie haben auch nichts verpasst - und vielleicht sollte man sie beneiden, hatten sie doch ein wenig mehr Zeit für andere, hoffentlich bessere Bücher!
Lincoln Child/Douglas Preston Dark Secret
Mörderische Jagd
Aus dem Amerikanischen von Michael Benthack
Droemer/Knaur, Oktober 2007
608 Seiten, broschiert, EUR 8,95
ISBN: 3426636409
Ein gnadenloser Mörder sucht sich ein Opfer nach dem anderen. Ihre Gemeinsamkeit: Sie waren Freunde des verschollenen Special Agent Pendergast. Doch wer könnte ein Interesse daran haben, sie auszuschalten? Detective D'Agosta beginnt unter Hochdruck zu ermitteln. Er weiß, dass auch er und seine Frau im Visier des Killers stehen. Unerwartete Hilfe bekommt D'Agosta von niemand anderem als Pendergast selbst. Dieser hat sein Verschwinden nur vorgetäuscht, um unbemerkt nach seinem größten Feind suchen zu können: seinem Bruder Diogenes, den er für den Mörder hält. Das FBI verfolgt allerdings eine andere Theorie. Ist es möglich, dass Pendergast sich Diogenes nur einbildet - und selbst ein eiskalter Killer ist?