Die gefeierte Operndiva Ella Herbst hat ein Problem. Weil die Pflegerin ihres Großvaters dem plötzlichen Herztod erlegen ist, muss Ella ihren Auftritt kurzfristig absagen, um dem alten Mann zur Seite zu stehen. Eine junge Kollegin springt ein und macht ihre Sache gut, zu gut. Der Großvater braucht auch weiterhin Pflege, allein bleiben kann er nicht. Aber Ellas Mann Felix, ein Unternehmensberater, organisiert für den alten Mann ein Zimmer im Pflegeheim. Ella kann wieder an ihre Arbeit denken, die Carmen im Festspielhaus zu singen, ist die Krönung ihre Karriere oder vielmehr wäre es. Die junge Kollegin hat sie längst ausgestochen.
Für Ella ist die Saison gelaufen. Ihr Manager lässt sie eiskalt hängen. Die neu gewonnene Freiheit ist unerträglich, zumal Felix ständig in Geschäften unterwegs ist. Die Kinder sind auch nicht immer zu Hause, halten sich oft bei ihrem Vater, Ellas erstem Mann, auf. Ella kümmert sich um den Großvater. Außerdem lebt sie weiter auf großem Fuß. Felix regelt das Finanzielle, darum muss sie sich keine Gedanken machen. Doch dann auf einmal wird der Geldhahn abgedreht und Ella muss mit Schrecken feststellen, dass ihre Konten leergeräumt sind. Ihr Mann hat natürlich eine Erklärung. Er hat die Konten in die Schweiz verlagert. Solche seltsamen Vorkommnisse treten allerdings bald gehäuft auf.
An ihrem 40. Geburtstag muss Ella sich eingestehen, dass ihre Karriere nicht nur unterbrochen, sondern beendet ist. Und auch dass ihr Mann, was seine Geschäfte angeht, gelogen hat, wird immer offensichtlicher. Bald steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Ella kann die Augen nicht länger vor der eingetretenen Katastrophe verschließen.
Das Buch ist ausgesprochen unterhaltsam. Der Titel ist berechtigt. Ella Herbst gerät durch ihre Blauäugigkeit in berufliche, finanzielle und familiäre Not. Sie verschließt die Augen so lange davor, bis es nicht mehr geht. Vom Schonwaschgang geht es direkt ins Schleuderprogramm. Ella muss sich der Wahrheit stellen und ist gezwungen ihr Leben zu hinterfragen.
Die Geschichte ist tragisch-komisch. Die Autorin stellt die Situation überspitzt dar, spart nicht mit Ironie. Ganz schlecht kommt die Protagonistin aber nicht weg. Sie ist so wandelbar und lernfähig, dass man nur staunen kann. Was in ihr steckt kommt aber erst zum Tragen, als die Situation schon völlig ausweglos scheint.
Der Roman ist flott geschrieben. Die Handlung ist turbulent und amüsant und sie gemahnt zur Vorsicht im eigenen Leben. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt die Geschichte aber nicht, dazu scheint sie zu weit hergeholt und auch zu oberflächlich. Aber man hat seinen Spaß beim Lesen, wird gut unterhalten und kann Langeweile ganz wunderbar damit vertreiben.