Was haben ein passionierter Buchhändler, ein selbstbewusster Teenager, eine sarkastische Schönheit, eine Gruppe religiöser Fanatiker und ein Schiffsjunge unter Königin Elisabeth I. gemeinsam? Sie alle haben ein ganz besonderes Ziel, denn sie suchen etwas: eine seit Jahrhunderten verschollene Reliquie, die so kostbar ist, dass Menschen bereit sind, für sie zu töten.
Der junge, ehrgeizige Schiffsjunge James Ogilvie ist fest entschlossen etwas aus seinem Leben zu machen. Lesen und schreiben kann er schon und der Pfarrer hat ihm sogar erklärt, was Ironie ist. Jetzt heuert er auf einem Schiff ihrer Majestät Königin Elisabeth I. an, doch kaum ist das Schiff in See gestochen, als die ersten Mitglieder auf äußerst unnatürliche Weise zu Tode kommen. Bald vermutet James nicht nur, dass ein Mörder an Bord sein Unwesen treibt sondern auch, dass die Expedition einen sehr geheimen, gefährlichen Zweck haben könnte.
Vier Jahrhunderte später fällt das Tagebuch dem Buchhändler Harry Blake in die Hände. Er entschlüsselt den Text schnell, doch wie brisant der Inhalt in Wahrheit ist, erkennt er erst, als sein Auftraggeber Lord Tebbit getötet, er selber bedroht und eingeschüchtert wird. Doch die schöne Zola, die unvermutet an seiner Seite auftaucht, und Lord Tebbits rebellische halbwüchsige Tochter Debbie bestärken ihn dabei, seine Suche fortzusetzen. Sie kommen einer Reliquie von geradezu mystischem Wert auf die Spur.
Anzeige „Ein packender Mysterythriller für die Fans von Dan Brown“, so wird auf dem Klappentext für Bill Napiers Roman Der 77. Grad geworben. Der Name Dan Brown hat also immer noch eine ungebrochene Zugkraft und sein Gütesiegel verspricht dem Leser einen gut recherchierten Roman, der alten Mythen einen neuen Blickwinkel abgewinnt. Leider gibt es derzeit genug Autoren, die auf den Zug aufspringen, so dass jeder Roman um ein wieder gefundenes Artefakt mit dem Namen Brown wirbt.
So ist es bei Bill Napier auch nichts Geringeres als das Holz vom Kreuze Jesu, das zum Mittelpunkt seines Romans wird. Der Begriff Mysterythriller ist dabei jedoch eher irreführend, denn Elemente des Übernatürlichen gibt es außer der möglichen Existenz des quasi heiligen Holzes nicht. Passender wäre vielleicht Abenteuerroman, denn im Gegensatz zum Übernatürlichen gibt es Verfolgungsjagden, Rätsel und zwielichtige Gegner der Helden in großen Mengen.
Leider macht dieses Tempo noch keinen ausgefeilten Spannungsbogen aus, vor allem dann nicht, wenn die Figuren blass und austauschbar bleiben. Die Bösen sind böse, die Guten sind gut und die obligatorische Romanze zwischen den Helden ist auch vorhanden. Sogar die Verteilung der Charaktereigenschaften ist vorhersehbar: Während Harry der nette Typ von nebenan ist, glänzt Zola durch Sarkasmus, der aber eher ausgesetzt wirkt und allerhöchsten der frühreife Teenager Debbie bringt ein wenig Eigenständigkeit in die Figurenkonstellation. Alles in allem ist Der 77. Grad ein Fließbandprodukt, das man getrost auslassen kann bei der Lektüre von Romanen „im Stil von Dan Brown“.
Fazit: Verfolgungsjagden und heiliges Holz auf Sparflamme – Dan Brown kann’s besser!