Indische Augenblicke, das sind Augenblicke, die nur ein Inder wirklich verstehen kann – oder etwa doch nicht? Vielleicht braucht man auch nur einen Weltbürger wie Amitav Ghosh, der verstehen und gleichzeitig vermitteln kann. Unter seiner Feder werden „fremde“ Welten wie Birma oder Kambodscha fassbar und rücken auch für den Europäer ins Blickfeld des Begreifens.
In Birma gibt es eine Militärdiktatur, Indira Ghandi war eine der wenigen Frauen in einer herausragenden Machtstellung, da gab es doch Atomtests und ... ja, was noch? Indien ist für viele Europäer ein weißer Fleck auf der Landkarte, und das, was man in den Nachrichten liest, weckt bei vielen auch nicht unbedingt Interesse mehr zu erfahren. Es gibt schließlich genug eigene Probleme im Land, in der Familie, überall.
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So wird sich mancher Leser, der sich nicht auch privat für das Thema Indien und seine Problematik interessiert, fragen, warum er sich mit Amitav Ghoshs Zeiten des Glücks im Unglück überhaupt abgeben soll. Der Inder, der in Deutschland bislang eher für seine Romane bekannt geworden ist, entwickelt in seinen Essays, die sich mit der indischen Geschichte quer durch die Jahrhunderte beschäftigen, ein Bild, das die Augen öffnet, für Überraschung sorgt und Interesse weckt.
Auf einmal werden fremde Länder und Kulturen zu einem Thema, über das man mehr wissen will, die man begreifen und erfassen möchte. Zum einen liegt das sicher an der niveauvollen Sprache des Autors, der begriffen hat, dass ein Essay weder trocken noch gewollt reißerisch aufbereitet werden muss. Doch mehr noch als das perfekt beherrschte Handwerkszeug ist es die aufgeschlossene Weltsicht des Autors, die überzeugt und fasziniert.
Bei aller Problematik fällt Ghosh keine Urteile. Er präsentiert einfach Fakten auf eine Weise, die zum Nachdenken und Mitfühlen anregt. So entsteht ein vielschichtiges Bild, das weder die Schönheiten ausspart noch sich der Verantwortung verweigert, Verbrechen und Missstände anzuprangern. Niemand kann sich der Tatsache verschließen, dass Indien ein zerrissenes Land voller Leid ist, und doch begreift er, was der Titel sagen soll: Bei allem Leid gibt es sie, die Momente des Glücks, die über vieles hinwegtrösten können. Oder, um es mit schlichten, doch wunderschönen Worten zu sagen: Gibt es auf Erden ein Paradies, ist es dies, ist es dies, ist es dies!
Fazit: Fakten, Emotionalität und Verständnis – Weltbürgertum auf hohem Niveau!