Einst hat die ganze Nation auf ihn geblickt, jetzt ist Adam Lang vor allem eins: Ex. Darum beschließt der ehemalige britische Premierminister seine Memoiren zu veröffentlichen. Nach dem tragischen Tod seines Ghostwriters beruft er einen neuen Mann in sein Team. In einem Monat soll das Buch fertig sein. Doch alles ändert sich, als Lang vor den internationalen Gerichtshof zitiert wird.
Adam Lang ist charismatisch, beliebt, ein Showman, der sich aktiv für die Bekämpfung des Terrors eingesetzt hat. Doch niemand wird so schnell vergessen wie ein ehemaliger Premierminister, also lässt er sich überzeugen, seine Memoiren zu veröffentlichen. Ghostwriter ist sein ehemaliger Mitarbeiter McAra – ein begeisterter Lang-Fan, nur leider ein überaus mittelmäßiger Schriftsteller. Probleme macht er allerdings erst, als er in einer stürmischen Nacht zu Tode kommt.
Der Verlag engagiert einen Ersatzmann, der schier verzweifelt angesichts der akribischen, doch dilettantisch verarbeiteten Recherchen seines Vorgängers. Wo zum Beispiel bleibt Langs Frau Ruth und ihre bedeutende Rolle, die sie im Leben ihres Mannes gespielt hat? Auch Langs unglaublicher Charme lässt sich zwischen den trockenen Zeilen nur erahnen. Doch das nette, „menschelnde“ Buch erhält eine ganz neue Dimension, als Lang vor den internationalen Gerichtshof zitiert wird – er soll Folterungen von Terrorverdächtigen durch die CIA genehmigt haben.
Anzeige Robert Harris ist nicht das, was man einen Vielschreiber nennt, doch seit Fatherland ist jedes Buch ein Treffer. Nach dem historischen Roman Imperium widmet sich der Erfolgsautor mit Ghost nun der aktuellen Politik und der international grassierenden Angst vor Terroristen. Held seines Romans ist der charismatische britische Ex-Premier, amerikafreundlicher Vorkämpfer gegen den internationalen Terror, dessen fiktiver Charakter eindeutig die ein oder andere Anleihe bei Tony Blair macht.
In einer Mischung zwischen Krimi und Politroman entwickelt der Autor eine Geschichte um Verrat, Faszination und Politik, die den Leser immer tiefer in den Strudel der geschickt konstruierten Ereignisse reißt. Er folgt dabei dem Ich-Erzähler und Ghostwriter des Premiers auf seiner Gratwanderung zwischen Loyalität und Wahrheitsliebe. Nicht nur Ruth, die Ehefrau des Protagonisten führt ihn in Versuchung, auch die Nachforschungen seines Vorgängers zwingen ihn, der Wahrheit über Lang ins Gesicht zu sehen.
Doch Harris wäre nicht der Autor, der er ist, wenn es ihm nicht gelänge, das Ruder der Geschichte am Ende noch einmal vollkommen herumzureißen. Genau in dem Augenblick, an dem der Leser glaubt, die Verschwörung durchschaut zu haben, eröffnet er der Geschichte vollkommen neue Möglichkeiten. Das Faszinierende ist, dass der Leser bis zu diesem Augenblick das Fortschreiten der Handlung kaum bemerkt hat, so mühelos wird der Plot gesponnen. Unterm Strich kann man sagen, dass Ghost über alles verfügt: den spannenden Plot, die Entwicklung der Charaktere und den Beweis, dass Harris ein wahrhaft vielseitiger Autor ist.
Fazit: Politthriller mit aktuellem Bezug auf hohem Niveau