Der fünfte Harry Potter-Band war bekanntlich dick wie ein Ziegelstein. Exakt 766 Seiten in der englischsprachigen Ausgabe. Dennoch wollten zahlreiche Fans nicht auf die Übersetzung warten und kämpften sich tapfer durch das Original. Glücklich konnten sich jedoch diejenigen schätzen, die Langenscheidts "Großes Zauberwörterbuch" zur Hand hatten. Denn wo bitte sind solch seltsamen Begriffe wie "occlumency" erklärt? Und in welchem (Schul-)Wörterbuch soll man sonst "blast-ended skrewt" nachschlagen?
Das "Zauberwörterbuch für Harry Potter-Fans" von Langenscheidt jedoch hat nicht nur auf 304 Seiten für englische Floskeln und umgangssprachliche Begriffe die Übersetzung parat, sondern auch Harrys Schulfächer, wichtige Figuren, Orte und mythische Wesen aus dem magischen Potter-Kosmos werden aufgeführt. Enthalten sind außerdem Erläuterungen zu Rowlings Wortneuschöpfungen und "sprechenden Namen". So werden für den Namen des Lehrers Quirrell Herleitungen von "squirrel" (Eichhörnchen") über "quirk" (Verschrobenheit") bis "quisling" (Verräter) angeboten. Diese Assoziationen und Erklärungen sind meist interessant und hilfreich - da stört es auch wenig, dass das Zauberwörterbuch - da nicht von Time Warner gesponsert und lizenziert - nicht von Joanne K. Rowling autorisiert wurde und solche Hinweise deshalb stets nur "Meinungen" der Wörterbuch-Autorin Barbara Maria Zollner darstellen. Wie weit man mit solchen Spekulationen kommen kann, hat ja auch bereits der Bamberger Rudolf Hein mit seinem Buch "Kennen Sie Severus Snape?" bewiesen.
Etwas ärgerlich ist allerdings, dass für die Neuauflage des Zauberwörterbuchs anlässlich des fünften Potter-Bandes der neue Wortschatz nicht eingearbeitet, sondern nur in einen Anhang gepackt wurde. So muss man Begriffe, die im Wörterbuch zunächst nicht zu finden sind, noch einmal im zweiten Teil nachschlagen (in dem überdies die Illustrationen fehlen, die den ersten Teil auflockern). Denn wer weiß schon, dass das Wort "haversack" in den ersten vier Bänden nie vorkam? Das aber ist der einzige Schönheitsfehler des ansonsten routiniert und angenehm gestalteten Wörterbuches - ganz in bewährter Langenscheidt-Tradition. Bleibt zu hoffen, dass der Verlag auch rechtzeitig zum Erscheinen des sechsten Bandes eine Neuauflage hervorzaubert.