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Der Gotteswahn PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dominik Nüse, am 06-11-2007 15:00
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Richard Dawkins - Der GotteswahnSchon Wochen bevor Der Gotteswahn des Evolutionsbiologen Richard Dawkins in Deutschland für Furore sorgte, löste er mit seinem schonungs- und erbarmungslosen religionsfeindlichen Pamphlet in den USA eine immer noch andauernde Diskussion über den Sinn und Unsinn von Religionen sowie das Verhältnis zwischen Naturwissenschaften und Religion aus. Der Stern titelte vor Wochen mit Dawkins Buch und viele Medien schlossen sich der Diskussion an, die in Deutschland allerdings nie so recht in Gang kam.

Immerhin aber hat es Dawkins auch in Deutschland fast bis an die Spitze der Sachbuch-Bestsellerlisten geschafft - aber im Vergleich zum ganz ähnlich gelagerten Buch "Der Herr ist kein Hirte" ist "Der Gotteswahn" das zwar reißerischere und effektvollere aber auch substanzlosere Buch. Angelegt ist es als Ratgeber nach dem Motto "Wie werde ich zum Atheisten?". Und da liegt auch die Crux dieses Buches: Es ist stark tendenziös und richtet sich vehement gegen jegliche Art von Religion. Dabei tritt Dawkins mit einer Wut vor allem gegen die in den USA stark verbreitete Ausrichtung des Kreationismus bzw. Intelligent Design auf, die sämtliche Erkenntnisse über die Evolution des Menschen und der Erde seit Darwin nicht anerkennt. Dazu fallen wie in allen religionskritischen Auseinandersetzungen die Stichworte 11. September, Kreuzzüge und Judenverfolgung.

Wie schon erwähnt, krankt das Buch in erheblichem Maße daran, dass es so tendenziös geschrieben ist und eine schlüssige Argumentation, die auf Gegenargumente eingeht bzw. die Gegenseite, die diese Argumente hervorbringt, gar nicht ernst nimmt, nicht zustande kommen kann. Jedem Gläubigen wirft Dawkins vor, nicht ganz klar im Kopf zu sein: "Halte ein einzelner seine Einbildungen für objektiv wahr, diagnostiziere man Geisteskrankheit; teilten Kollektive den verrückten Glauben an übernatürliche Mächte, nenne man die Wahnvorstellung Religion." Dass das mindestens ebenso fundamentalistisch und engstirnig ist, wie es seiner Meinung nach Religionen und Gläubige sind, lässt er außen vor - und macht ihn eigentlich auch selbst unglaubwürdig.

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Wer anderen vorwirft, geistig nicht beweglich zu sein, selber aber keine Anstrengungen unternimmt, sich auf die Gegenargumente einzustellen, diese als Argumente auch ernst zu nehmen, vertritt letztlich eine Art Fundamentalismus, was im Falle Dawkins schade ist, gehört er doch dem Hörensagen nach zu der eher intelligenten Sorte von Mensch. Leider ist er aber in die Falle getappt, in die viele, wenn sie über Religion schreiben, fallen - sie werden selbst zu argumentativen Fundamentalisten, die das Denken einschränken und versuchen, andere zu überreden, dasselbe zu denken - und nicht zu überzeugen. Zumal an einigen Stellen auch schnell klar wird, dass Dawkins ein Naturwissenschaftler und eben kein philosophisch gebildeter Geisteswissenschaftler ist, der gelernt hat, mit Ideen und philosophischen Modellen zu argumentieren. So hat er, wenn er in seiner Kritik der Gottesbeweise Hume und Kant für Atheisten hält schlichtweg Unrecht - und ob es unter religiösen Menschen mehr korrupte, pädophile und frauenfeindliche Menschen gibt als unter den Atheisten, die Dawkins Meinung nach "immer glücklich, ausgeglichen, geistig ausgefüllt" und "moralisch edel" sind (ja, das hat er wirklich geschrieben!!!), das darf man ganz stark bezweifeln. Beinahe peinlich und eher unbeholfen wirkt seine Aufforderung, alle Atheisten der Welt mögen sich doch in einer Art Massen-coming-out versammeln und vereinen und den Glauben und die Religionen vertreiben. Auch seine Erkenntnis, dass die Bibel nicht ein von Gott geschriebenes Werk ist, sondern vielmehr ein Flickenteppich, an dem über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg verschiedene Menschen geschrieben haben, ist alt und seit mehr als 300 Jahren bei allen Theologen, selbst bei den Theologen des Vatikan, be- und anerkannt. 

Im Gegensatz zu Hitchens Polemik "Der Herr ist kein Hirte", der weitaus geschickter als Dawkins argumentiert, bietet "Der Gotteswahn" eigentlich schon jedem Erstsemester ein reich bestelltes Feld an Thesen, die leicht und ohne Probleme zu widerlegen bzw. zu entkräften sind - von daher dürfte eigentlich die Lesefreude an diesem Buch keine wirklich große sein. Der Erkenntniswert jedenfalls ist gering - und bei über 550 Seiten Umfang viel zu gering!

 

Bibliographische Angaben

 

Richard Dawkings
Der Gotteswahn. Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel
(Originaltitel: The God Delusion)
Ullstein
Oktober 2007
560 Seiten, gebunden EUR 22,90
ISBN-10: 3550086881
ISBN-13: 9783550086885

 

 

 

 

 



Letztes Update: 06-11-2007 14:49

Veröffentlicht in : Buch, Sachbuch
Schlüsselworte : Richard Dawkins, Der Gotteswahn, Religionskritik, religiöser Fundamentalismus, Atheismus, religion, glaube, 3550086881, 9783550086885
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