Sie sind ernst, erwarten immer das Schlimmste, malen vieles schwarz, sind geprägt von ihrer Mutlosigkeit und selbst im Urlaub noch an ihren heruntergezogenen Mundwinkel erkennbar – die Deutschen. Und es gibt noch mehr Dinge, die typisch Deutsch sind und nicht unbedingt als positiv empfunden werden. Doch woher kommt dieses Bild? Warum sind die Deutschen so, wie sie sind? Die Antwort dafür ist in der deutschen Vergangenheit zu finden, die doch nicht so gut bewältigt wurde, wie vielfach vermutet.
Im Gegenteil, das Ganze hat schon einen international gefestigten Namen und wird als „die deutsche Krankheit“ bezeichnet. Entscheidend geprägt sind die Deutschen heute besonders von den Auswirkungen des zweiten Weltkrieges mit dem unmittelbar damit verknüpften großdeutschen Wahn, der millionenfachen Ermordung und der Niederlage. Die Deutschen können wahrhaft nicht stolz sein, auf das, was da passiert ist und das machen sie sich auch Jahre später noch zum Vorwurf. Dabei ist eigentlich klar, dass von den wahren Schuldigen heute nur noch wenige leben, die Deutschen von heute aber noch alles ausbaden.
Das führt dazu, dass man deutsche Flaggen nur zur Fußballweltmeisterschaft sieht und beim Singen der Nationalhymne fühlen sich viele eher unwohl. Ganz klar, der deutsche Nationalstolz hat gewaltig gelitten und das sieht man am heutigen Gesellschaftsbild. Zwar wurde viel Aufklärungsarbeit geleistet, es gibt Gedenktage für die Opfer, es wird viel geredet, aber wesentliche psychologische Effekte wurden schlicht weg überspielt, eine emotionale Aufarbeitung gab es nicht. Denn nicht nur die Deutschen haben gemordet, sondern auch Deutsche wurden ermordet und so kommt es, dass vor allem die nachfolgende Generation zum Beispiel ohne Vater aufgewachsen ist. Die Eltern schwiegen über ihre Rolle in Nazideutschland, wollten nicht mehr darüber reden und geben damit ganz unbewusst ihre Angst an ihre Kinder weiter, die oft nicht verstehen, warum ihre Eltern so sind wie sie sind. Dahinter steckt Scham, Verlustangst und ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis, so die Theorie der Autorin.
In diesem Buch gibt sie uns einen Einblick in ihr Leben, erzählt, wo sie damals aufgewachsen ist und wie ihre Eltern ihr auch nichts erzählen wollten über damals. Doch genau daraus ist ihr Interesse entstanden. Die Autorin wurde Journalisten und fragte zu ihrer Theorie über die deutsche Krankheit die verschiedensten Politiker um ihre Meinung, die sie hier in dem Buch zusammengefasst hat.
Die Theorie der Autorin wird jedem schnell deutlich. Dabei betrachtet sie ihre Ideen aber nicht als absolut, sondern ist auch offen für die Meinung anderer Menschen, die nicht denken, dass die deutsche Angst von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Dadurch entwickelt sich ein sehr umfassendes Meinungsbild, das sehr interessant zu lesen ist.
Das Buch hat ein bisschen Romancharakter, der durch viele eingestreute Geschichten anderer Menschen zustande kommt. Dadurch lässt sich das Buch sehr gut lesen. Die Autorin bezieht sich außerdem sehr oft auf Aussagen anderer Leute und zitiert sie. Diese sind dabei durch Quellenangaben belegt, so dass man erkennt, dass die Autorin ihre Aussagen nicht einfach aus der Luft greift, sondern sie begründen kann.
Anzeige Die Autorin übt hier viel Kritik darüber, wie mit der Vergangenheit teilweise umgegangen wurde und noch umgegangen wird. So ist der Geschichtsunterricht an Schulen, wie auch Studien belegen, in seiner Weise bisher ziemlich ungeeignet, um den Schülern die Hintergründe zu vermitteln. Der Stoff wird, wie die Autorin schreibt, trocken und emotionslos durchgenommen, bleibt nur in seltenen Fällen in den Köpfen der Schüler hängen.
Ebenso werden die Medien kritisiert, die gerade in der heutigen Zeit eine unglaublich schlechte Stimmung über Deutschland verbreiten können, indem sie die Ängste der Mitbürger aufgreifen und unglaublich dramatisieren. Denkt man an Harz IV, Kinderschänder, Arbeitslosigkeit, Terrorismus und die jeweiligen Titel von Zeitungen, die hier zitiert werden, kommt man schnell zu dem Schluss, dass Deutschland den Bach runter zu gehen scheint. Dabei ist die wirtschaftliche Entwicklung im Moment eigentlich eher normal und man vergisst, so gut wie jetzt ging es den Deutschen eigentlich noch nie. Aber stattdessen wird immer nur die Verschlechterung wahrgenommen, wie die Autorin deutlich macht.
Die psychologischen Hintergründe werden hier durchleuchtet, die Autorin hilft, die Situation einmal von außen zu betrachten, analysiert und interpretiert. Dabei ist selbst sehr ehrlich, holt eben nicht nur Klischees und Vorurteile ans Licht und redet auch nicht zu viel drum herum, wie das andere Leute zu diesem doch sehr heiklen Thema tun. Sie macht außerdem deutlich, warum es genau eine deutsche Krankheit ist, obwohl weit mehr Nationen im zweiten Weltkrieg gekämpft haben, denn dafür gibt es spezielle Gründe.
Fazit : Ein interessantes Buch für Menschen, die an der Geschichte Deutschlands und seiner Entwicklung interessiert sind.