Satire, Komik, Witz und Verstand,--eine Reise durch die heutige Zeitgeschichte.
Man möchte sich den Ich-Erzähler mit Namen Blum in dieser Erzählung wie einen Varietékünstler vorstellen, der uns in einem Feuerwerk von Geistesblitzen zu Beginn der Vorstellung etwas über das Leben erzählt und über die Erfahrungen, die er gemacht hat.
Dabei geht es um Erklärungen zur Naturwissenschaft, um die Liebe, um ferne Länder und Eindrücke, die zu dem Schluss führen, dass unser Erzähler sich abseits des Alltäglichen unter den Lebenden fühlt. Zum Ende des ersten Kapitels ist man berührt über eine poetisch ganz bescheidene Vorstellung, einem Traum gleich, die der Erzähler hat: auf einem Segelschiff weit hinauf bis nach Vancouver getragen zu werden, in der Ferne Pazifikvögel wie zufriedenes Leergut auf dem Meer wankend.....
Frappierend ist der Wechsel von kühler, rationaler Weltbetrachtung, ja fast Abgeklärtheit, zu dieser zarten Poesie. Man ist gefangen und benommen von der klaren, knappen Eingangssprache und den schnell aufeinander folgenden intelligenten, spritzigen Einfällen, mit denen die Erzählung beginnt. Voller Spannung wartet man auf die Begegnung mit Mona, die der Erzähler uns verspricht.
Denn Blum lebt nicht auf einer Bühne, sondern schreibt uns aus einem Versteck heraus seine Lebensbeichte.
Er ist Ingenieur und soll für seine Firma in Rumänien ein Kältesystem für eine Schlachthofkette verkaufen. Der Schlachthofmanager und sieben Schlachthofhintersassen, so werden sie bezeichnet, spulen die Verkaufsverhandlung zu ihren Gunsten um, wickeln Blum ein, füllen ihn mit Pflaumenschnaps ab, führen ihm Mona als Lockmittel zu,--und er ist hingerissen!
Er weiß: sie ist es! Die Liebe, auf die er gewartet hat.
Blum bleibt seinem scharfen Intellekt treu: hintergründig und pointenreich muß man fix mitdenken, wenn er seine Wissenspfründe preisgibt.
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Nicht nur die sprühende Lebendigkeit seiner Gedanken macht das Buch so lesenswert; natürlich gibt es den fortlaufenden Handlungsstrang, der uns in die Abgründe östlichen Handelswahns führt, und der Blum allerlei betäubende Abenteuer durchstehen lässt. Seine Eskapaden bringen ihn in vielfache Nöte und treiben die von ihm vertretene Firma fast in den Ruin.
Fünf Tote bleiben auf der Strecke, Freunde wandern ins Kittchen, und Blum bleibt mit seiner Liebsten in Frankreich am Atlantik hängen. Dort darf er Mona von seiner Kindheit und seinen durchgeknallten Eltern berichten. Und Mona? Sie hört ihm zu! Seit Jonathan Foer hat man ein derartig verdrehtes Deutsch nicht mehr gehört! <Alles ist eine Verwehung, Blum. Oder nicht?> Wie schön sie auf seine Jugenderinnerungen kontert! Selbst in der Verdrehung scheint noch ein Hintersinn zu lauern.
Zwischen den überpointierten und nonchalanten Sätzen findet man dann auch diesen:<... der Mensch, den man wirklich liebt, ist der Mensch, in dessen Armen man sterben will, wenn es so weit ist>.
Das Ende der Geschichte kommt unerwartet und ist poetisch und sanft.
Dieses Buch aus der Feder des SZ Journalisten Alexander Gorkow kann man uneingeschränkt empfehlen. Nicht viele deutsche Autoren schreiben so spontan, geistreich, versonnen, zügig und klar.