Nach dem Tod seiner Frau und einem anschließenden Herzinfarkt scheint das Leben für Werner Krieger vorbei zu sein. Seinen Kindern ist er längst entfremdet, er selber fühlt sich müde und verbraucht. Doch eines Tages beschließt er, sein Leben noch einmal neu anzufangen. Er setzt eine Annonce in die Zeitung, in der er sich als Leihopa anpreist. Und tatsächlich bekommt er Zuschriften.
Ein alter Mann wird ermordet in einer Kirche aufgefunden. Er sieht eigentlich ganz friedlich aus, dennoch bleibt ein Mord ein Mord, und Beate Stein beginnt mit den Ermittlungen. Bald findet sie heraus, dass dieser Werner Krieger ein recht sonderbarer Zeitgenosse war. Während seine eigenen Kinder Franka, Johannes und Ruth nur den grausamen Tyrannen in ihm sehen und längst den Kontakt abgebrochen haben, gibt es andere, die in Krieger fast einen Heiligen sehen.
Nach seinem Schlaganfall beschließt Werner, dass es noch nicht zu spät ist, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Er bietet sich über Annonce als „Opa“ an, und findet auch bald eine junge Familie, die sich für ihren kleinen Sohn einen Großvater wünscht. Er zieht bei ihnen ein und unterstützt sie bald auch finanziell. Doch nicht nur das, er setzt sie auch als Alleinerben ein, und auf einmal sind die leiblichen Kinder wieder sehr an ihrem alten Herrn interessiert.
Anzeige Sabine Deitmer zählt zu den renommiertesten deutschen Kriminalschriftstellerinnen, deren Faszination sicher auch darin besteht, dass sie keine Scheu hat, immer wieder heikle Themen aufzugreifen. In einer Gesellschaft mit immer weniger Kindern gehört das Alter ganz sicher zu diesen Tabus. Sie macht einen alten Mann zu ihrem Helden, der sich den Anforderungen der Gesellschaft – stille Akzeptanz der eigenen Nutzlosigkeit – nicht abfinden will.
Die Autorin entrollt auf zwei Ebenen das Schicksal dieses ungewöhnlichen Mannes. Während Beate Stein seinen Tod aufzuklären versucht, erhält der Leser gleichzeitig Einblick in Gefühle und Erfahrungen des Protagonisten. Deutlich werden die beiden Seiten dieses Lebens vor Augen geführt. Werner ist weder ein Heiliger noch ein hartherziger Sadist, er ist einfach ein Mensch.
Doch die wahre Kunst der Autorin besteht darin, auch die habgierigen, undankbaren Kinder, die sofort die Antipathie des Lesers wie auch der ermittelnden Kommissarin wecken, als vielschichtige Charaktere darzustellen und langsam Verständnis für ihre Handlungsweisen zu wecken. Die lebendigen Charaktere zusammen mit einem spannenden Fall, den auch ein versierter Krimileser nicht auf den ersten Blick durchschaut, und dem locker gezeichneten Alltag der Ermittlerin ergeben ein Gesamtbild, das sich wohltuend vom Krimieinheitsbrei in den Regalen der Buchläden abhebt.