Anders als all die anderen! Hinter dieser Phrase steht wohl eine der markantesten, langlebigsten und schier unangreifbaren Figuren der Agenten-/Spionageliteratur: James Bond! Und dass der immense Erfolg, den sowohl die Buchreihe wie die Filme seit etlichen Jahren ununterbrochen haben, auch diverse Merchandise und Neben-Produkte mit sich bringt, da allerdings ist James Bond keinesfalls anders als all die anderen!
Inzwischen liegen auch zahlreiche wissenschaftliche Studien zu James Bond vor, die sich aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven des Phänomens angenommen haben. Im Schüren Verlag ist heuer unter dem Namen „Das kleine Bond-Buch“ ein Tagungsband erschienen, der mehrere Essays, Kommentare und wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Bond vor allem aus kulturwissenschaftlicher Sicht vereinigt. Nicht, dass jetzt der Eindruck aufkommt, es handele sich hierbei um staubtrockene und höchst akademische Studien – weit gefehlt! Vielmehr bemühen sich die Verfasser, sich dem Phänomen mit einer gewissen Ironie zu nähern. Und dieser Versuch gelingt auch prächtig! Es geht um das Männerbild, das Bond verkörpert, ebenso um Aspekte des Tourismus, um die Geschichte des englischen Geheimdienstes und - natürlich! – um alkoholische Geschmacksfragen. Außerdem erfährt der geneigte Leser auch Dinge, auf die man so gar nicht gekommen wäre: Bonds beispiellose Rolle im Reggae. Wenn das nicht neugierig macht!
Anzeige Gelungen ist auch das "Mit-mach"-Kapitel „Bond-Spielereien“. Hier gibt es neben einer kleinen aber um so feineren Zitatesammlung auch den ultimativen „Sind Sie der wahre Bond?“-Test, ein praktisches „Who is who?“ und drei sehr nachzubereitenswerte Cocktail-Rezepte!
Weltbewegend und relevant ist dieses Büchlein nicht – aber es macht Spaß, sich mal aus einem ganz anderen Blickwinkel mit der Figur Bond zu beschäftigen und sich auf den ein oder anderen, anfangs vielleicht abstrusen, Gedankenansatz einzulassen. Spannend sind diese „Reisen“, sofern man sich gerne auf gedankliche Reisen einlässt, allemal. Und wenn man bedenkt, dass auch der Entenhausener Kosmos inzwischen zahlreiche Wissenschaftler um sich sammelt und offenbar ein reichhaltiger Nährboden für diverse wissenschaftliche Ansätze und Methoden dient, dann gebührt diese Ehre selbstverständlich auch James Bond! Das einzige, das den Spaß ein wenig trübt, ist das katastrophale Layout und eigentlich unmögliche Schriftbild, das man leider immer noch viel zu häufig bei dieser Art von Tagungsbüchern vorfindet.
Alles über den, der auszog, anders als all die anderen zu sein!
Ellen Grünkemeier (Hg.) Das kleine Bond-Buch. From Cultural Studies with love Schüren Verlag, 2007
200 Seiten, broschiert, EUR 14,90
ISBN-10: 3894724994
ISBN-13: 978-3894724993