2007 ist das Jahr der Geisteswissenschaften. Und das Jahr des ersten Simpsons-Kinofilms. Letzterer war dank Plakat-, Trailer- und TV-Werbung omnipräsent, von ersterem haben vermutlich die wenigsten etwas mitbekommen – und jetzt ist das Jahr auch schon wieder fast vorbei. Die Geisteswissenschaften fristen schon seit längerem ein Schattendasein in der weltweiten Wissenschaftswelt – zu lange, befanden drei amerikanische Philosophen und Herausgeber, und brachten zusammen, was auf den ersten Blick kaum zusammengehört: knallgelben Kult-Cartoon und harte Geisteswissenschaft.
Seit fast 20 Jahren flimmert die Familie Simpson über die Fernsehschirme – in Deutschland mittlerweile mit zwei Folgen täglich, in Übersee sind es bisweilen sogar an die zwanzig. Dank ihres vielschichtigen Humors sind sie bei Kindern und Erwachsenen, bei Jugendlichen und manchmal sogar beim Feuilleton beliebt, auch wenn sich, insbesondere in ihrem Heimatland, mancher an ihrer subtilen Kritik an US-Amerikas heiligen Kühen – religiösem Eifer und Waffenbesitz – stößt.
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Mehr als Hundert mal so alt wie die Simpsons ist die Philosophie.Und während die einen Tag für Tag Millionen vor den Bildschirm locken, ist die Wissenschaft von Aristoteles, Platon und Co eher etwas für ein Nischenpublikum. Könnte das wenig beachtete Fach nicht von der Popularität der gelben Fernsehfamilie profitieren? Das haben sich die drei Herausgeber gefragt. Schließlich bieten die Eskapaden von Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie und den zahlreichen weiteren Charakteren, die die amerikanische Pseudo-Durchschnittsstadt Springfield bevölkern, genug Projektsfläche für die ganz großen philosophischen Themen der Menschheit.
Für das Buch „Die Simpsons und die Philosophie“ haben die drei Herausgeber Philosophen aus ganz Amerika zusammengetrommelt, die allesamt zumindest Kenner, wenn nicht gar Fans der Simpsons sind. Sie widmen sich Fragen wie der, welcher der Simpsons-Charaktere am ehesten moralisch handelt, ob Lisa wirklich gut ist und ob Bart den Idealen Nietzsches genügt, und ob sich eine Klassengesellschaft, wie von Karl Marx postuliert, auch in Springfield beobachten lässt. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass, obwohl die Simpsons oft in Artikeln wie diesem als „subversiv“ bezeichnet werden, echte Subversion in der Serie fehlt – weswegen an dieser Stelle auch auf dieses Attribut verzichtet werden soll.
Ist man ein Kenner der Simpsons, der einen Großteil der Folgen gesehen hat (und das womöglich auch mehrfach), im Alltag Zitate aus der Serie einstreut und natürlich auch den Kinofilm gesehen hat, dann wird man an der einen oder anderen Stelle schmunzeln müssen, wenn in den philosophischen Eskapaden Bezug auf bestimmte Szenen genommen wird – denn der Humor der Simpsons lebt oft vom Wiedererkennen, von szenen- und episodenübergreifenden Pointen. Doch das ist leider auch das einzige, was einem dieses – sicherlich originell gemeinte – Buch an Amüsement verschafft.
Die Autoren schaffen es in der Mehrzahl nicht, ihr – unbestritten großes – theoretisches Wissen in eine leicht verständliche und unterhaltsame Form zu bringen, statt dessen wirken die Bezüge zur Fernsehserie manchmal eher mühsam konstruiert, und der Schreibstil der Philosophen ist meist steif wie die Gelenke von Kernkraftmogul Charles Montgomery Burns. Der Versuch, ein paar Krümel vom Kuchen der Simpsons-Popularität für die Wissenschaft abzubekommen, scheint damit gescheitert, die Idee, eine Art „Sofies Welt“ für die moderne Fernsehgeneration zu schreiben, geht nicht auf – was bleibt, ist ein Buch, das nicht Fleisch und nicht Fisch ist: den hartgesottenen Philosophen vermutlich zu populärwissenschaftlich, den Simpsons-Fans zu trocken und humorarm.
William Irwin, Mark T. Conard und Aeon J. Skoble (Hrsg.) Die Simpsons und die Philosophie Tropen Verlag
256 Seiten, gebunden, 19,80 Euro
ISBN-10: 3932170970
ISBN-13: 978-3-932170-97-3