Suzanne Trayle, von den Medien als der „Engel der Suchenden“ bekannt, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Adoptivkinder und ihre leiblichen Mütter wieder zusammen zu führen. Doch als ein Serienmörder an ihren Computer mit ihren Dateien gelangt, erhält ihre Suche eine verzweifelte Note, denn Trayle ist erpressbar – mit ihrem eigenen Kind.
Suzanne Trayle hat es nie verwinden können, als Vierzehnjährige zu einer Adoption gedrängt worden zu sein. Nun hat sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, sich für die offene Adoption einzusetzen, die Möglichkeit für Mutter und Adoptivkinder, wieder Kontakt zueinander aufzunehmen. Trotz vereinzelter Anfeindungen wird ihre Arbeit in weiten Kreisen mit dem eines Engels verglichen. Doch Suzanne weiß nicht, dass sie von einem Wahnsinnigen beobachtet wird.
Der Namenlose ist selber Adoptivkind, und seine Kindheit war die Hölle. Sein Wahnsinn treibt ihn dazu, sich den leiblichen Müttern als ihr Sohn vorzustellen und sie dann bestialisch zu ermorden. Eine wichtige Hilfe ist ihm dabei Suzannes Datei, die er nach einem Einbruch in ihrem Hotelzimmer mit anschließender Vergewaltigung entwendet. Doch die Datei ist nicht der einzige Grund, der den Mörder die Nähe des Engels suchen lässt.
Anzeige Der Publikumsgeschmack scheint in letzter Zeit nach immer neuen, immer härteren Reißern zu verlangen. Das jedenfalls ist der Eindruck, den man gewinnt, wenn man die derzeitige Thrillerlandschaft nicht nur in Amerika betrachtet. War Hannibal Lector noch ein wahnsinniger, aber kultivierter, intelligenter Killer, der seine Morde mit Stil zelebrierte, scheint es mehr und mehr um den reinen Schockeffekt zu gehen.
Mark Nykanens neuer Roman Der Fallensteller bedient jedenfalls genau diese Sensationslüsternheit und Blutgier. Er schickt seine sympathische, wohlmeinende Heldin auf eine Alptraumreise, die sie direkt in die Klauen eines sadistischen Wahnsinnigen führt. Eines muss man Mark Nykanen lassen, er ist konsequent. Das Stehlen der Dateien, die der Killer benötigt, wird mit einer grausamen Vergewaltigung gekoppelt und auch von der Rettung der Opfer in letzter Sekunde hält er nichts.
Doch all das führt den Leser zu dem blutigen Finale zwischen Suzanne und dem „Sucher“, bei dem die wohlmeinende Heldin auf einmal zum Racheengel mutieren darf. Lang, langsam und in allen Einzelheiten wird geschildert, wie sich Täter und Opfer gegenseitig quälen und verstümmeln. An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein, welchem Zweck diese Darstellungen dienen.
Natürlich mag man argumentieren, dass hier die Verwandlung der Heldin in schonungsloser Weise dargestellt wird, doch irgendwie fehlt dabei die künstlerische oder moralische Aussage. Stattdessen liest sich Der Fallensteller eher wie eine Metzelei, die noch grausamer, noch detaillierter sein muss als die Vorgänger, um gegen die Konkurrenz standzuhalten. Aber vielleicht wäre es lohnender, mehr Aufmerksamkeit auf Charaktere und deren Originalität zu verwenden als immer noch mehr literarisches Blut zu verspritzen.
Fazit: Routine-Reißer mit außergewöhnlich blutigem Finale