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Autoren unter sich PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hans Peter Roentgen, am 22-10-2007 12:38
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Über sechzig deutsche Schriftsteller, vom Bestsellerautor bis zum Newcommer hatten sich in Oberursel versammelt, darunter Bestsellerautoren wie Thomas Thiemayer („Magma“), Andrea Schacht („Kreuzblume“), Charlotte Thomas („Die Madonna von Murano“), Iny Lorentz („Die Wanderhure“), Christoph Hardebusch („Die Trolle“), Andreas Wilhelm („Projekt Babylon"), aber auch Verleger (Sandra Uschtrin), Lektoren und Literaturagenten.

Schriftsteller sind einsame Wölfe, schon der arme Poet saß im stillen Kämmerlein, um es erst mit dem fertigen Meisterwerk zu verlassen. So die gängige Vorstellung. Nur auf der Buchmesse treffen sie sich einmal im Jahr.

Doch diesmal waren sie schon früher da. Zehn Tage vor der Messe versammelten sich Bestsellerautoren, Newcomer, Literaturagenten, Verleger und Lektoren. Gerufen hatte die Autorengruppe „Montségur“ und über sechzig waren gekommen. Die Teilnehmerliste liest sich wie ein Who’s Who deutscher Autoren. Alles begann mit einer Lesung am Freitag Abend. Am Samstag ging es dann ans Eingemachte.

Was tun Autoren, wenn sie zusammensitzen? Das gleiche wie Briefmarkensammler: Sie fachsimpeln. Genau wie in alle Berufe gibt es beim Schreiben Probleme, die jeder hat und die man gemeinsam besser lösen kann. Zum Beispiel: Wie behalte ich den Überblick über meine Geschichte? Wie plane ich Handlung, Personen und Hintergrund?

Andreas Wilhelm trug auf dem Treffen vor, wie er damit umgeht. Er stellte seine Planung für „Projekt Sakkara“ vor, dazu hatte er alle seine Notizzettel eingescannt und gebannt folgten die anderen seinem Vortrag. „Storyboard“ nannte er die Methode, alle Szenen vorzuplanen und mit Farbe und Symbolen zu markieren, ob es Action-, Liebes- oder Dialogszenen sind.

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Nicht für jeden sei das geeignet, schränkte er ein, aber eine Methode für die, die ihr Buch von Beginn an minutiös vorplanen. „Kopfschreiber“ heißen sie im Fachjargon, im Gegensatz zu den „Bauchschreibern“, die mit Szenen anfangen und erst im Laufe des Schreibens Klarheit über ihren „Plot“, ihre Geschichte gewinnen.

Dennoch verfolgten auch die „Bauchschreiber“ gespannt Andreas’ Vortrag, vielleicht ließe sich die Methode abändern und auch für sie nutzen? Sie lässt sich, das stellte sich in der Diskussion heraus.

Andrea Schacht referierte über Perspektivwechsel im Roman. Was für Vorteile bieten Ich-Perspektive, Dritte Person und allwissender Erzähler? Damit das nicht graue Theorie blieb, stellt sie die gleiche Szene in unterschiedlichsten Perspektiven vor.

Natalja Schmidt ist erfolgreiche Literaturagentin, sie betreut u.a. den Fantasy-Bestsellerautor Christoph Hardebusch („die Trolle“), und referierte über die Arbeit von Literaturagenten und Agentenverträge. Insgesamt umfasste das Programm neun Vorträge und drei halbtägige Workshops.

„Streich die Großmutter“ schlägt einer im Workshop „Expose schreiben“ vor. „Und die Schwester gleich mit“, fügte ein anderer hinzu, „dann wird es übersichtlicher.“ Neun Autoren saßen zusammen, veröffentlichte wie unveröffentlichte. Sie diskutierten über ihre Exposès. Die müssen kurz und prägnant sein, schließlich sollen sie die Manuskripte den Verlagen schmackhaft machen. Die meisten Autoren hassen Expose-Schreiben. Vierhundert Seiten Manuskript auf zwei Seiten zusammen zu streichen, vereinfachen und dennoch soll die Geschichte erkennbar bleiben. Eine Sysiphos-Arbeit.

Die meisten trafen sich zum ersten Male in der Realität, bisher fanden die Diskussionen im Internet statt, im Forum www.montsegur.de. Dort postet man, wenn ein Verlagsvertrag unter Dach und Fach ist - vielen Mitgliedern war das im letzten Jahr gelungen -, dort werden auch alle Fragen behandelt, die Autoren bewegen.

„Hat jemand Erfahrung mit dem Literaturagenten X?“ wird dort genauso diskutiert, wie die Frage, wann man Rückblenden machen sollte und wann besser nicht.

Manche Fragen sind auch sehr speziell. „Einige Lektoren wollen nicht, dass man ‚Frau Müller’ schreibt“, bemerkte eine Krimi-Autorin und schon war eine Diskussion darüber im Gange, ob es wirklich sinnvoll ist, „Frau“ zu vermeiden, ob in Polizeiprotokollen „Die Müller“ oder „Frau Müller“ steht und wie man einen Kriminalkommissar am besten schildert, der auf die Anrede „Frau“ großen Wert legt.

Anfänglich konnte jeder Mitglied im Forum werden, mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass man einen begründeten Antrag stellen muss – das Forum soll übersichtlich bleiben, die Mitglieder sich kennen. Deshalb können längst nicht mehr alle Interessierten aufgenommen werden.

Wer will, kann den Autoren über die Schultern schauen. 29.000 Normseiten finden sich im Forum www.montsegur.de mit insgesamt über 100.000 Beiträgen, geballtes Autorenwissen, das zum großen Teil auch Nichtmitgliedern offen steht. Für heikle Punkte gilt allerdings: Nur für Mitglieder.

Derweil wollen die Teilnehmer sich nächstes Jahr wiedertreffen. Dann sollen auch die Vorträge mitgeschnitten werden, so dass sie auch Nichtmitgliedern zur Verfügung stehen.


Letztes Update: 22-10-2007 18:09

Veröffentlicht in : Magazin, Kulturnews
Schlüsselworte : Thomas Thiemeyer, Andreas Wilhelm, Iny Lorentz, Charlotte Thomas, Andrea Schacht, Christoph Haredebusch, Sandra Uschtrin, Natalja Schmidt, Autorentreffen, Montsegur, Expose, Storyboard, Perspektive
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