Annie und Jonathan Tremayne, der in Indien als kolonialer Verwaltungsbeamter auf einem Außenposten in Assam gearbeitet hat, machen sich auf dem Heimweg nach England. Doch ihr Schiff, die „Oriental“ wird von arabischen Piraten überfallen. Jonathan und Annie werden getrennt. Jonathan gelingt es, sich vom sinkenden Schiff auf eine Insel zu retten. Seine Frau hingegen wird verschleppt.
Annie kommt einer der Männer auf der arabischen Dhau bekannt vor. Es ist der Sklavenhändler Abdullah bin Karim. Er hat den Überfall in die Wege geleitet. Annie weiß, dass die „Oriental gesunken ist, er ist also der Mörder ihres Mannes. Er verkauft Annie weiter an Hassan Bey. In der angesehenen türkischen Handelsfamilie soll Annie die Kinder unterrichten. In Dschidda angekommen, versucht Annie ihre Lage aufzuklären. Sie erwartet Hilfe vom Hausherren, doch er redet die Entführung klein. Er hat Annie rechtmäßig gekauft und erwartet, dass sie ihre Rolle erfüllt. Niemand will von ihren Sorgen hören, ihre Lage wird ignoriert. Annie bleibt nichts anderes übrig, als sich zum Schein zu fügen, während sie auf eine Fluchtmöglichkeit wartet.
Jonathan glaubt, dass seine Frau tot ist. Er kann den Vorstellungen des Konsuls nicht folgen, der es für möglich hält, dass Frauen von den Piraten als Geiseln genommen worden sind, um sie zu verkaufen. Er weiß nicht, wie sein Leben nun weitergehen soll. Er will nicht mehr zurück nach England. Als er in Suakin einen Sachbuchautor trifft, der ein Buch über die Fauna Nordafrika schreibt, schließt er sich ihm an und hofft so, mit seinem Schicksal fertig zu werden.
Anzeige Der Anfang des Buches liest sich wie ein Groschenroman. Beschrieben wird ein reiches Paar, dass durch die platten Dialoge sehr oberflächlich wirkt. Hier weiterzulesen lohnt sich aber. Denn während des Überfalls durch die Piraten, werden die beiden getrennt und müssen sich einem Schicksal ergeben, dass so ganz anders als geplant verläuft.
Die Oberflächlichkeit hat ein Ende. Jetzt geht es ums Überleben. Parallel erzählt die Autorin nun die Geschichte der Eheleute. Jonathan glaubt, seine Frau ist tot und Annie befürchte, ihr Mann hat den Untergang der „Oriental“ nicht überlebt. Die Geschichte ist sehr emotional geschrieben und lebt von großen Gefühlen. Wie man schon dem Klappentext entnehmen kann, gelingt Annie die Flucht aus dem Palast des Beys. Sie erfährt die Hilfe einer Gruppe fahrender Puppenspieler und reist mit ihnen in einem Pilgerzug durch die Wüste Arabiens, während Jonathan mit dem Autor auf Forschungsreise geht.
Beide Reiseverläufe, mit allen Entbehrungen, Sorgen und Nöten, werden sehr ausführlich geschildert. Die historischen Hintergründe sind mit Sachkenntnis beschrieben und die Stationen ihrer Reisen leben von den grandiosen Beschreibungen von Land, Leuten, Kultur und Natur. Zeitweise gipfelt die Spannung in ungeahnte Höhen.
Der Schreibstil der Autorin gefällt ausgesprochen gut. Sie versteht es, nach dem verpatzten Anfang, ihre Leser zu fesseln und sehr gut zu unterhalten. Die Geschichte ist märchenhaft schön, romantisch und auch ein klein wenig kitschig und vor allem überaus spannend.
Katherine Richards Der Granatapfelgarten Aus dem Amerikanischen Englisch von Marion Balkenhol
Krüger Verlag, 2007
464 Seiten, gebunden, 19,90 Euro
ISBN-10: 3810516368
ISBN-13: 978-3810516367