September 1910: Berlin-Moabit hat sich in einen Hexenkessel der Streikenden und Streikbrecher verwandelt. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen und Schlägereien mit der Polizei. Doch erst als nach einem Brand eine verkohlte Leiche gefunden wird, wird der ganze Ernst der Lage deutlich, und Kriminalwachtmeister Hermann Kappe steht vor seiner ersten Bewährungsprobe.
Schon immer hat der junge Hermann Kappe davon geträumt, in die Großstadt zu ziehen, nach Berlin. Der Traum wird Wirklichkeit, als er in Major Ferdinand von Vielitz einen mächtigen Fürsprecher findet. Der sorgt dafür, dass Kappe als Kriminalwachtmeister seinen Dienst in Berlin antreten kann, nachdem er ihm bei einer Schießerei das Leben gerettet hat und selbst verwundet worden ist. Obwohl der Moloch Berlin den jungen Mann zunächst überwältigt, beschließt er doch, die Augen offen zu halten, nur für den Fall, dass der entkommene Mordschütze ihm noch einmal über den Weg laufen sollte.
Doch zunächst bleibt Kappe wenig Zeit für Alleingänge. In Berlin-Moabit wird eine verbrannte Leiche gefunden. Bei dem Toten handelt es sich um den Kohlenarbeiter Paul Tilkowski, der seinen Kollegen als Streikbrecher schon lange ein Dorn im Auge war. Doch nicht nur in der Arbeiterschicht findet man Verdächtige, und bald steht Kappe vor einem dichten Geflecht aus Lüge, Verrat und Gewalt.
Anzeige „Es geschah in Berlin“ ... dies ist der Übertitel für einen groß angelegten Kettenroman, bei dem verschiedene Autoren die Figur des Hermann Kappe charakterlich weiterentwickeln und durch das Berlin Anfang des Jahrhunderts führen sollen. Der Auftakt gebührt Horst Bosetzky, der einer großen Fangemeinde besser unter dem Pseudonym –ky bekannt sein dürfte. Er legt „seinen“ Kappe als einen unsicheren jungen Mann an, ein richtiges Landei, das zum ersten Mal Stadtluft schnuppert aber gleichzeitig mit Ehrlichkeit und Beharrlichkeit seinen Weg verfolgt.
Dabei ist der Fall selber eher einfach gestrickt. Es gibt eine überschaubare Anzahl von Verdächtigen, ein paar krimitaugliche Wendungen und ein dramatisches Finale, das diesen ersten Fall der Reihe abrundet. Interessanter und eindringlicher als der Krimiplot ist hingegen die Stimmung dieses bewegten Septembers in Moabit, die Bosetzky trotz der distanzierten, halb dokumentarischen Sichtweise mit viel Anschaulichkeit und Fingerspitzengefühl schildert. Es scheint fast, als trete die Hauptstadt Berlin selber ins Rampenlicht und löse den netten Naivling Kappe als Protagonist ab. Wer sich für lebendig gestaltete historische Ereignisse und Schauplätze interessiert, ist mit Kappes erstem Fall bestens beraten, wer allein den spannenden Plot schätzt, kommt hier etwas zu kurz.
Fazit: Dünner Plot aber exzellent ausgestaltete Kulisse