Schriftsteller gehören meist zu der Sorte von Menschen, die sich selbst so unglaublich ernst nehmen, ganz verzweifelt an der Welt leiden und sich voll und ganz unverstanden fühlen – und deshalb gibt es oft auch keine wirklich guten Satiren von Schriftstellern über den Literaturbetrieb. Eine äußerst gelungene hat Akif Pirincci in seiner Geschichte Der letzte Weltuntergang zu Papier gebracht, die nun im gleichnamigen Geschichtenband vorliegt.
Akif Pirincci, einer der arriviertesten türkischstämmigen Autoren hat in den 90er Jahren des vergangenen Jahrtausends mit seinen Katzenkrimis, die in schöner Unregelmäßigkeit recht gelungene Fortsetzungen finden, für Furore gesorgt und sich als Krimi-Autor etablieren können. Neben seinen ungewöhnlichen Helden hat Pirincci aber auch einen sehr eigenen Stil in die deutsche Literatur gebracht, der auf spannende Art mit einem etwas gesteltzteren Deutsch spielt, der eine hohe Stilanlage anstrebt, diese aber nie ganz durchhält. Und so wirken seine Ich-Erzähler – und die meisten seiner Romane sind in dieser Perspektive verfasst – etwas überheblich, arrogant, und man amüsiert sich als Leser über das oftmalige sprachliche Scheitern.
Anzeige Darüber und über noch viel mehr kann man sich in Der letzte Weltuntergang freuen. Die Literaturbetriebssatire wurde schon angesprochen. Selten hat man ein solch trockenes und zugleich ätzendes und stimmiges Kleinod über Autoren und Buchhändlerinnen gelesen! Interessanterweise erschien diese Story zuerst im Playboy, den man ja doch seiner Texte wegen kauft. Zu den weiteren Favoriten dieser versammelten fünf Erzählungen gehören sowohl die erste wie die letzte Story. Nummer zwei und vier sind eher Füllmaterial – aber dennoch lesenswert.
In der ersten Geschichte (Ein kleines Problem) geht es um einen Auftragskiller, den Pirincci als einen mathematisch genauen, gefühlslosen Technokraten beschreibt, der nun vor seinem letzten Auftrag steht. Befremdlich und überraschend! Ebenso befremdlich und zudem höchst surreal verläuft die abschließende Geschichte dieses Bandes (Jobless Growth): Eine Frau wird immer jünger, entwickelt sich zurück – auch hier kann sich Pirinccis Sprachgefühl austoben, so dass er mit nur kleinen aber höchst effektiven erzählerischen Mitteln eine absurde und verstörende Atmosphäre schafft.
Obwohl die versammelten Geschichten in einem Zeitraum von rund 20 Jahren geschrieben wurden, zum Teil auch schon an anderer Stelle veröffentlicht wurden, ist dieser Band äußerst rund und gleichzeitig auch sehr abwechslungsreich – es macht großen Spaß die Geschichten nacheinander zu lesen!
Mehr als nur eine Fingerübung oder ein Interludium!