Die Kadir-Nacht ist die Nacht, in der alle Wünsche in Erfüllung gehen sollen. In dieser Nacht schwören Fatma und Elisa sich ewige Freundschaft. In dieser Nacht werden ihre Eltern getötet, sie selber verschleppt und an den Harem des Sultans Abdülhamid verkauft. In dieser Nacht wird der Grundstein gelegt für zwei Schicksale zwischen Luxus, Intrigen, Krieg und Verrat...
Die schöne Fatma ist Muslimin, ihre armenische Freundin Elisa glaubt an Christus, dennoch sind die beiden von frühster Kindheit an unzertrennlich, daran können weder Glaube noch Politik etwas ändern. Als ihr Dorf bis auf den letzten Mann ausgelöscht wird, werden die beiden Mädchen an den Harem des Sultans Abdülhamid verkauft, wo Fatma aufgrund ihrer großen Schönheit bald darauf hofft, zur Favoritin aufzusteigen, während Elisa eigentlich nur hofft, den Intrigen und der Enge des Harems entfliehen zu können.
Gerade als sich für die beiden Freundinnen alles zum Besseren wendet, zwingt die Politik den Sultan zur Abdankung. Um an sein Geld zu kommen, verspricht ihm der Anführer der Revolutionäre Taifun Pascha, ihm seinen Sohn zurückzugeben. Dass Fatma noch am Leben ist, verschweigt er, da er sich inzwischen selbst unsterblich in sie verliebt hat. Mit grausamen Intrigen gelingt es ihm, nicht nur Mutter und Sohn zu trennen sondern auch die Freundschaft zwischen Elisa und Fatma zu zerstören.
Anzeige Der letzte Harem ist der breit angelegte Schicksalsroman zweier Frauen, in deren wechselvollen Leben sich das Schicksal einer ganzen Nation beispielhaft widerspiegelt. Der Leser folgt den Schrecken der Auseinandersetzungen zwischen Moslems und armenischen Christen, er erlebt das ebenso glanzvolle wie beengte Leben im Harem und sieht, wie die Türkei langsam aus dem 1001-Nacht-Paradies in die Moderne geführt wird.
Dabei verkörpern Fatma und Elisa zwei verschiedene Pole und sprechen zwei verschiedene Typen von Leserinnen an. Die eine ist schön, kapriziös und liebt den Luxus, die andere – eher durchgeistigt und intelligent – versucht, durch ihr Talent Freiheit zu erlangen. Doch im Herzen sind beide aufrichtig und ehrenhaft, so dass sie die Sympathie der Leserinnen trotz eines beständigen Auf und Ab nie ganz verlieren. Letzten Endes sind es nicht die zahlreichen Liebhaber und Freunde der beiden Frauen, die ihnen durch Leid und Lust helfen sondern ihre hart auf die Probe gestellte Freundschaft.
Man mag dem Autor vorwerfen, dass sich einiges allzu plakativ und extrem vollzieht, dass der Glanz zu glänzend, das Elend zu trist ist, doch trägt die lebendige Darstellung und niveauvolle Sprache auch über diese Kritik hinweg. Wer Der letzte Harem aufschlägt, weiß wahrscheinlich, dass bei er bei allem historischen Hintergrundinteresse einen quietschbunten Abenteuerroman in Händen hält, und der funktioniert nun einmal nicht ohne Blut, Tränen und Herzeleid.
Fazit: Praller Historienroman mit sympathischen Heldinnen